Erschienen in Ausgabe 5-2016Märkte & Vertrieb

Raus aus dem Vorsorge-Dilemma

Für Produktentwickler in der Lebensversicherung lohnt sich ein Blick über den nationalen Tellerrand

Von Torsten Gillessen und Tobias TheisVersicherungswirtschaft

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Durch die unvorhersehbare Dauer der Niedrigzinsphase stehen die Lebensversicherer vor einer großen Herausforderung. Zudem beansprucht Solvency II das Eigenkapital der Unternehmen, wodurch deren Rentabilität belastet wird. Klassische Lebensversicherungsprodukte verlieren ihre Attraktivität – nicht zuletzt durch die immer weiter sinkende Überschussbeteiligung. 2015 sind bereits einige große Lebensversicherer aus dem klassischen Geschäft mit dem lebenslangen Garantiezins ausgestiegen. Welche Möglichkeiten bleiben den Lebensversicherern? Ein Blick über den Tellerrand bietet Chancen und aussichtsreiche Alternativen.

Weg von Zinsgarantien

Die japanische Versicherungsbranche kämpft seit über 20 Jahren gegen die niedrigen Zinsen, geprägt durch einen Leitzins unterhalb der Ein-Prozent-Grenze. Eine Anpassung des Produktportfolios gehörte zu den wesentlichen Veränderungen auf dem japanischen Markt. Der Verkauf von Produkten mit langfristigen Zinsgarantien wurde weitgehend gestoppt und durch den Vertrieb von Fonds-Produkten ersetzt, bei denen der Versicherungsnehmer das Kapitalanlagerisiko trägt. Um den Kunden mehr Rendite zu gewähren, wurden ab dem Jahr 2000 erstmals Fremdwährungspolicen (auch Valutaversicherung) eingeführt. USD- und Euro-Policen lagen durch ihre hohen Renditen sehr gut im Kurs. 2015 wurde das Produktportfolio durch Australische-Dollar-Policen erweitert. Durch Fremdwährungsprodukte werden Kundengruppen erreicht, die sich in einem Niedrigzinsumfeld gegen klassische Produkte entscheiden. Zur Diskussion für die Versicherer steht das Währungsrisiko, das je nach Währung für den Versicherungsnehmer nicht unerheblich ist. Gegebenenfalls kann hier über eine Werterhaltungsgarantie nachgedacht werden, um mehr Kunden anzusprechen. Bei der Auswahl der Währung sollten bestimmte Faktoren mitberücksichtigt werden, wie beispielsweise das Rating, die Staatsverschuldung und die OECD-Wachstumsprognosen.
In den USA ist die Reverse Mortgage (Umgekehrte Hypothek) seit ihrer Einführung 1989 ein beliebtes Versicherungsprodukt. Im Fokus steht speziell die Zielgruppe der Senioren, deren Rente die Lebenshaltungskosten nicht ausreichend deckt, die jedoch in selbstgenutztem Wohneigentum leben. Bei dem Abschluss einer Umgekehrten Hypothek wird das Eigentum an den Versicherer übertragen. Im Gegenzug erhält der Kunde eine lebenslange monatliche Rente und ein garantiertes lebenslanges Wohnrecht.
Durch die Erweiterung des Produktportfolios um Reverse-Mortgage-Produkte wird eine…