Erschienen in Ausgabe 4-2016Schlaglicht

„Auf der Brücke, aber stets auch mit einem Bein im Maschinenraum“

Thomas Lösler, Chief Compliance Officer der Allianz, über transparente Geschäftsprozesse und Regeltreue

Von Julia KolhagenVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Welche Rolle spielt die Compliance für ein Versicherungsunternehmen in der heutigen Zeit?

Thomas Lösler: Compliance als kontinuierlicher Zustand ist ein wesentliches Mittel, um die Geschäftsmodelle der Zukunft zu formen und gleichzeitig das Vertrauen in die Versicherungsindustrie sicherzustellen. Die Compliance-Funktion ist dabei ein wesentlicher Transmissionsriemen bei der Operationalisierung rechtlicher und regulatorischer Anforderungen – wir steuern Projekte und arbeiten eng mit anderen Funktionen zusammen, um Systeme und Prozesse fit zu machen für die neuen und teilweise recht komplexen Anforderungen zum Beispiel im Datenschutz, bei steuerrechtlichen Berichtspflichten, der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung oder im digitalen Vertrieb.

Wie wird das Compliance-System in die unternehmerischen Prozesse und Strukturen integriert?

Wir sprechen hier gerne von einem „eingebetteten“ Ansatz. Zunächst sind alle solche Prozesse schlichtweg Ballast, die gesondert und ausschließlich zu Compliance-Zwecken vorgehalten werden. Es gilt die Anforderungen zu bündeln und in bestehende Prozesse zu integrieren. So sind etwa die Compliance-Prüfungen bei neuen Produkten oder Vertriebspartnern besser einheitlich zu prüfen und – soweit das sinnvoll möglich ist – auf die Bereiche vorzuverlagern, in deren Zuständigkeit diese Aktivitäten natürlicherweise fallen, also etwa Produktentwicklung oder Vertriebssteuerung.

Was ist hierbei Ihre Rolle als Compliance-Officer?

Wir in Compliance sind in erster Linie Berater und häufig auf der Brücke zu sehen, aber stets auch mit einem Bein im Maschinenraum. Die Dynamik unserer Themen erfordert es, dass wir uns ständig mit der Entwicklung unseres Geschäfts, einzelnen geschäftlichen Transaktionen und wichtigen Implementierungsprojekten beschäftigen. Das sorgt für Verständnis für den jeweils aktuellen Zustand unseres Geschäfts und unserer Tochtergesellschaften, ohne die eine Beratung der Unternehmensleitung nicht möglich ist. Zugleich hat Compliance aber auch eine Überwachungsfunktion, das heißt wir müssen uns stets vergewissern, ob das Compliance Management System auch funktioniert. In der Sprache der Standardsetzer spricht man von der „Wirksamkeit“ des Systems. Dabei geht es in erster Linie um die Frage, ob die in Richtlinien und Prozessbeschreibungen niedergelegten Compliance-Anforderungen auch tatsächlich gelebt werden. Ein wesentlicher Unterschied zur internen Revision liegt in diesem Zusammenhang darin…