Erschienen in Ausgabe 4-2016Köpfe & Positionen

Kollektiv, Solidarität und Sicherheit

Führende Experten diskutieren in Wien über das Wertegerüst im Insurance-Business

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

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Deutliche Worte im Gleichklang österreichischer und deutscher Aufsicht: „Ver­sicherung nach dem Prinzip der kleinen Zahl kann nicht funktionieren“, sagt Peter Braumüller, Leiter der Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA. Dass Policen nur über die große Zahl zu vernünftigen Preisen verkauft werden können, glaubt auch Felix Hufeld. Für den Bafin-Präsidenten sind Kollektiv, Solidarität und Sicherheit die drei tragenden Werte des Versicherungsgedankens, die heute im Fluss des Wandels stehen. Big Data & Analytics (siehe ) ermöglichen zwar eine bessere Erfassung von Risiken, doch daraus abgeleitete Produkte mit Telematiktarifen bedrohen das Fundament der Solidarität bis hin zu einer Atomisierung der Kollektive.

Versicherungsgedanke in Gefahr

Auf der internationalen Jahrestagung des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft (DVfVW) sind in der österreichischen Hauptstadt Wien führende Heads aus Wissenschaft und Praxis zusammengekommen, um über die europa- und weltweite Bedeutung der Versicherungswirtschaft zu diskutieren. Zum letzten Mal eröffnete Torsten Oletzky die Tagung in der Funktion als Vereinsvorsitzender, die er seit 2009 bekleidet hatte. Für sein langjähriges Engagement wurde der ehemalige Ergo-Chef vom wiedergewählten Vereinsausschussvorsitzenden Bernhard Schareck mit einer Ernennung zum Ehrenmitglied ausgezeichnet.
Die Nachfolge Oletzkys übernimmt Wolfgang Weiler. Mit dem Vorstandssprecher der Huk-Coburg an der Vereinsspitze soll die deutsche Versicherungswirtschaft in der Breite und in der Tiefe entwickelt, gefördert und unterstützt werden. Weiler will nach eigenen Angaben mehr Praktiker mit den Wissenschaftlern zusammenbringen, um den Austausch zu stärken. Ein Schwerpunkt in den vier aktiven Arbeitskreisen Versicherungsökonomie, Versicherungsmathematik, Versicherungsrecht und Versicherungsmedizin werde die Digitalisierung sein. Die mit der neuen Technisierungswelle verbundenen Prozessabläufe, Produkte sowie Tarifierung und kollektive Fragen sind ein weites Feld, das die Wissenschaftler im Dialog mit den Managern intensiv beschäftigen wird, reflektiert Weiler die Warnungen der Regulierer. Die Unternehmen ihrerseits müssen sich der Bedrohung des Versicherungsgedankens stellen und nicht technikeuphorisch die Entwicklung als unweigerlich akzeptieren. Zudem geht es um die Frage der gesellschaftlichen Legitimierung – ein spezieller Aspekt der aktuellen Compliance-Debatte – denn die Licence to…