Erschienen in Ausgabe 4-2016Köpfe & Positionen

Im Kaufhaus der Superreichen

Maastrichter Kunstmesse Tefaf 2016 in der Konsolidierungsphase

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Zunehmend erzielt der internationale Kunsthandel seine Umsätze durch Auktionen und internationale Messen, die die großen Händler zum Teil eines Wanderzirkus werden lassen. Glanzlicht in diesem Jahr ist die Tefaf im niederländischen Maastricht. Indes scheint auch dort das nach der Finanzkrise von 2009 erneute Wachstum zum Stillstand zu kommen. Nach Angaben des Art Market Reports reduzierten sich die Weltmarktumsätze 2015 in Sachen Kunst um sieben Prozent auf 63,8 Mrd. US-Dollar. Von einem sich abzeichnenden Bersten einer Blase könne zwar noch nicht gesprochen werden, doch bestehe die Möglichkeit, dass 2016 dennoch eine Trendwende einläutet. Der Markt schwächelt vor allem im mittleren Segment bei Objekten über 50.000 Dollar und bis zu einer Mio. Dollar. Der Schwerpunkt liege nun bei den Kategorien Postwar Contemporary & Contemporary mit 46 Prozent sowie Modern mit 30 Prozent der Umsätze. Ein Picasso habe 2015 179 Mio. Dollar gebracht, ein Modigliani 170 Mio. Dollar.
Regional betrachtet hat der US-Markt um vier Prozent expandiert und kommt auf 43 Prozent des Weltmarkts (UK 21%, China 19%, Frankreich 6%, Deutschland und Schweiz je 2%). Bei Werken im Wert von über zehn Mio. Dollar liege der US-Anteil bei 72 Prozent. Einen echten Rückgang habe es in China gegeben – eine Folge des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums, der Kampagne gegen die Korruption und gleichzeitig einem Versiegen der Quellen für wirklich erstklassige Werke. Nach Aussagen von Nicolas Barta, der 2014 den von ihm gegründeten Wiener Spezialmakler an Aon veräußert hatte und der nach wie vor zum Aon Team gehört, lägen die im Kunstmarkt geforderten Preise häufig um 15 bis 20 Prozent über dem eigentlich gerechtfertigten Niveau.

Trend zu kulanteren Bedingungen

Principal Sponsor der Tefaf ist auch 2016 die Axa Art. Nach Angaben des Unternehmens liegt die aggregierte Versicherungssumme der Kunstmesse in der Regel bei ca. drei Mrd. Euro. 2016 sei diese jedoch etwas tiefer ausgefallen, da der Kunsthändler Gagosian und der Juwelier Graf nicht vertreten sind.
Kai Kuklinski, CEO beim 175 Mio. Euro an Jahresprämie verbuchenden Marktführer Axa Art, sieht mit einiger Sorge, dass sich die Anzahl der Kapazitätsanbieter erhöht hat. „Zusätzliche Kapazitätsgeber, insbesondere aus London, suchen neue Felder, noch dazu mit Short Tail Charakter. 2015 hatten wir beim großvolumigen Geschäft einen Ratenverfall von fünf bis zehn Prozent zu verzeichnen“, erklärt Kuklinski. „Daneben gibt es einen Trend zu kulanteren…