Erschienen in Ausgabe 4-2016Unternehmen & Management

Versicherer halten Start-ups noch auf Abstand

Digitalisierung führt im Schadenmanagement zu neuer Konkurrenz an der Kundenschnittstelle

Von Kathleen JoostVersicherungswirtschaft

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Die Liste an Fintechs und Insurtechs ist lang; die Veranstaltungen, auf denen sie auftreten und die Artikel, die sie inhaltlich füllen, noch länger. Ausgestattet mit teilweise großen Anschubfinanzierungen drängen sie auf den (Versicherungs-)Markt. Die Rede ist von disruptiven Ansätzen, die die Branche aufrütteln werden. Nüchtern betrachtet sind es häufig interessante Geschäftsideen, über die es lohnt nachzudenken. Ob sie wirklich disruptiv sind, muss sich noch erweisen.
Ein interessanter Punkt hierbei ist, dass sich der Großteil der Start-ups rund um die Kundenschnittstelle, also Betrieb und Vertrieb ansiedelt, z.B. in Form von Vergleichsportalen (z.B. passt24, Tarifair), situativem Versicherungsschutz (z.B. AppSichern, Fairr.de) oder mit innovativen Ideen zur Vertragsverwaltung (z.B. Clark, Knip, feelix). Andere Start-ups richten ihre Ideen an andere Dienstleister der Versicherungswertschöpfungskette (Vermittler oder Versicherer selbst), wie beispielsweise massUp oder Erste Digital.
Eine der wichtigsten Kundenschnittstellen, die Schadenbearbeitung, ist in dieser Aufzählung bisher unterrepräsentiert. Der Bereich Schaden steht jedoch nicht nur für die größte Kostenposition im Unternehmen, sondern auch für die Erfüllung eines Leistungsversprechens in einer für den Kunden wichtigen Situation.

Innovationsloch Schadenmanagement?

Nachhaltige Auftritte von Insurtechs im Bereich Schaden konnten bisher nicht verzeichnet werden, aber die Liste an Start-ups, deren innovative Ideen sich auf das Schadenmanagement übertragen lassen, ist durchaus interessant:
Auch im „klassischen“ Schadenmanagement führt die Digitalisierung zu effizienten sowie kundenfreundlichen Prozessen, u. a. bei der Schadenmeldung. Der Versicherungsnehmer kann mittlerweile seinen Schaden online, per App oder auch per Video melden und anschließend den Fortschritt der Schadenbearbeitung über ein Login zu seinem persönlichen Kundenbereich nachvollziehen (Stichwort „Schadentracking“). Zusätzlich hat er die Möglichkeit, Dokumente, wie Fotos und Rechnungen hochzuladen, um die Deckungsprüfung bzw. die Schätzung der Entschädigungshöhe dem Sachbearbeiter zu ermöglichen.
Beispielhaft für den technischen Fortschritt ist auch der mobile Hagelscanner. Er vermisst innerhalb von zehn Minuten optisch die Fahrzeugoberfläche mit zahlreichen Kameras. Dabei werden Anzahl und Größe der Dellen festgestellt, das langwierige Prüfen durch einen Gutachter entfällt. Im Anschluss erhält der Fahrzeughalter unmittelbar eine…