Erschienen in Ausgabe 4-2016Köpfe & Positionen

Verschwimmende Branchengrenzen.

Zu Titelreport: „Standort D. in digitaler Kompression“, .

Von Uwe LaueVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Digitalisierung ist längst schon zu einem Top-Trendbegriff geworden, der unter vielfältigen Aspekten diskutiert wird. Zum nicht unerheblichen Teil wird dabei alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. So ist der Rationalisierungsaspekt der Digitalisierung auch in der Versicherungswirtschaft ein alter Hut. Seit Jahrzehnten werden Innovationen der Informatik genutzt, um die menschliche Arbeitskraft durch IT zu substituieren. Dies wird sich auch weiter fortsetzen. Insbesondere durch die neuen Nutzungsmöglichkeiten wissensbasierter Systeme werden zunehmend hochqualifizierte Berufsgruppen – auch in der Assekuranz – davon betroffen sein. Rationalisierung durch Informatikeinsatz ist somit alles andere als neu und keinesfalls als ein neuer Digitalisierungstrend zu bewerten. Die Investitionen in IT-Projekte mit Rationalisierungspotenzial sind bei der Debeka nach wie vor vielfältig. Sie amortisieren sich kurz- bis mittelfristig, weil Projekte nur bei signifikant positivem Business Case gestartet werden. In den letzten Jahren wird dieser positive Effekt leider durch hohe Kosten für regulatorische Themen wie Solvency II konterkariert. Die öffentliche Diskussion zum Thema Digitalisierung verläuft selten strukturiert und sachgemäß, weil klare Definitionen für die unterschiedlichen Ausprägungen von Digitalisierung fehlen. Neue Wortschöpfungen mit dem Suffix „4.0“, wie Industrie 4.0, Wirtschaft 4.0 oder Arbeit 4.0 bringen weder Ordnung noch Klarheit in das Thema, eher verwirren sie zusätzlich. Für die fundierte Diskussion des Themas wäre eine eindeutige Klassifizierung des Begriffs als methodischer Rahmen sehr hilfreich.
Wirklich neu beim Thema Digitalisierung ist die dadurch induzierte Veränderung unseres Verhaltens. Sie ist nicht nur die Basis für völlig neue (disruptive) Geschäftsmodelle, sie verändert auch die Kundenerwartungen, unabhängig von der Branche, nachhaltig. Die Serviceerwartungen der Kunden steigen. Auf ihr Anliegen erwarten Kunden „unmittelbare“ Reaktion bzw. Echtzeitökonomie. Die Adaption des „digitalen Konsumentenverhaltens“ aus den Erfahrungen mit Amazon, Google und Co. ist keine Option, sondern Hygienefaktor, dem die Versicherungswirtschaft Rechnung tragen muss. Dies bedingt auch die Integration mobiler Endgeräte in die Geschäftsprozesse der Versicherer und entsprechende Multikanallösungen. Ob sich bald neue digitale Geschäftsmodelle in der Assekuranz etablieren werden, bleibt abzuwarten. Die fortschreitende Digitalisierung lässt jedenfalls…