Erschienen in Ausgabe 4-2016Märkte & Vertrieb

Zäune und Mauern

Die Wahlkampfrhetorik in den USA lässt für die transatlantischen Wirtschafts-Beziehungen nichts Gutes erahnen

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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In ihrem letzten Amtsjahr startet die Administration Obama noch einmal den Versuch, die Steuerbefreiung für Rückversicherungsprämien an ausländische Rückversicherer zu kappen. Dies ist der siebte Versuch, berichtet die „Coalition for Competitive Insurance Rates“, ein Zusammenschluss von 31 Versicherern, Rückversicherern und Verbänden. „Eine Steuer auf Rückversicherung durch ausländische Tochterunternehmen wird die Rückversicherungsbranche behindern und die Konkurrenz am Markt drastisch reduzieren“, kritisiert Tom Feeney. Feeney ist republikanischer Politiker und war von 2003 bis 2009 Kongressabgeordneter aus Florida. Jetzt leitet er den Wirtschaftsverband Associated Industries of Florida. Unterstützt wird die Lobby der europäischen Versicherer (Allianz, Munich Re, Zurich, Swiss Re u.a.) von Versicherungsverbänden (Europa, Dublin, Bermudas) von amtierenden und ehemaligen Commissionern. Versicherungsaufseher aus acht Bundesstaaten unterstützen die ausländischen Versicherer und Rückversicherer, darunter die orkanbedrohten Staaten Florida, Georgia, Louisiana und Mississippi. Seit den beiden Sturm-Jahren 2004 und 2005 wird die Wohngebäudeversicherung jedes Jahr um fünf Prozent teurer. Ein Hausbesitzer zahlte 2005 durchschnittlich 764 US-Dollar Prämie im Jahr, jetzt sind es knapp 1.100.

Fast alle sind gegen Freihandel

Der Name der ausländischen Versicherungs-Lobby trifft von da her einen Nerv. Das Vorpreschen der Obama-Administration und des Demokratischen Kongress-Abgeordneten Richard Neal (Neal Bill) gegen die ausländischen Versicherer ist in schöner Regelmäßigkeit an dem Widerstand des republikanisch dominierten Abgeordnetenhauses und des Senats gescheitert. Es spricht nichts dafür, dass der siebte Versuch von Erfolg gekrönt sein wird. Um die Befürworter („Coalition for a Domestic Insurance Industry“, unterstützt unter anderem von Berkshire Hathaway, W. R. Berkley, Liberty Mutual und Travelers) ist es still geworden. Nachdem Chubb mit Ace fusioniert, die im Schweizer Kanton Zug residiert, hat das Unternehmen die Seite gewechselt. Chubb gehört jetzt zu den Kritikern des Versicherungs-Protektionismus.
Der Rückversicherungsmarkt der USA ist weitgehend von Offshore-Unternehmen dominiert. Nach Statistiken der Reinsurance Association of America (RAA) fließen 90 Prozent der zedierten Prämie an ausländische Rückversicherer, Tendenz steigend. Der Versuch Barack Obamas, diese Prämie wieder aufs Festland zu ziehen, ist fehlgeschlagen. Die Rückversicherungsprämie fließt…