Erschienen in Ausgabe 4-2016Trends & Innovationen

Niedrigzinsen verteuern Garantien

DIA fordert flexiblere Konzepte in der staatlich geförderten Altersversorgung

Von Manfred BrüssVersicherungswirtschaft

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Garantien in der Altersvorsorge kosten Geld, aber wie viel? Im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) aus Berlin haben Wissenschaftler ausgerechnet, wie weit das gesunkene Zinsniveau in den vergangenen 15 Jahren die Garantiezusagen verteuert haben. Den Menschen sei dies nicht bewusst, weil die Preisschilder fehlten, kritisiert Olav Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management.
Der mündige Verbraucher sollte frei entscheiden können, wie viel er an Garantien einkaufen wolle. „Stellen Sie sich vor, ein Mercedes steht neben einem VW-Golf. Welches Auto würden Sie nehmen?“, hinterfragt Stotz. „Die an sich klare Entscheidung dürfte aber überdacht werden, wenn an beiden Autos ein Preisschild hängen würde.” Für DIA-Sprecher Klaus Morgenstern ist klar, dass hier der Gesetzgeber gefragt ist, bei den in der staatlich geförderten Altersversorgung geforderten Garantien zumindest flexiblere Lösungen anzubieten.

Monatliche Aufwendungen steigen um 60 Prozent

Nach Berechnungen von Michael Hauer, Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, habe zwischen den Jahren 2000 und 2015 der von vier auf 1,25 Prozent gesunkene Höchstrechnungszins sowie die gestiegene Lebenserwartung dazu geführt, dass für eine lebenslange Rente von 100 Euro monatlich die hierfür notwendigen Aufwendungen um 60,5 Prozent gestiegen sind. Habe im Jahr 2000 noch ein Einmalbetrag von 18.160 Euro ausgereicht, so seien 2015 bereits 29.152 Euro notwendig gewesen. Dabei schlage allein der Zinseffekt mit einer Steigerung von 41,5 Prozent zu Buche. Sparer mit abgeschlossenen Altersvorsorgeverträgen müssen heute also wesentlich größere Beiträge aufbringen, um den späteren Ruhestand absichern zu können.
„Das ist der Preis, den die Altersvorsorgesparer für die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bezahlen“, sagt Hauer. Die Verteuerung der klassischen Garantien werfe zunehmend die Frage auf, welche Alternativen für die Altersvorsorge anstelle der bekannten Garantieleistungen in Frage kommen. Die seit Jahren zunehmende Lebenserwartung eröffne Spielräume dafür. Eine 65-jährige Person besitzt in Deutschland noch eine Lebenserwartung von mehr als 20 Jahren. Doch das ist nur der statistische Durchschnitt, der für den Einzelnen keine Bedeutung hat. So werden Männer nach den Annahmen in der Sterbe­tafel der Deutschen Aktuarvereinigung mit einer Wahrscheinlichkeit von 35 Prozent älter als 90 Jahre und mit…