Erschienen in Ausgabe 4-2016Unternehmen & Management

Der telematische Irrweg der Kfz-Versicherung

Spezifika des deutschen Kfz-Markts begrenzen Erfolgsaussichten der Telematikprodukte

Von Marco MorawetzVersicherungswirtschaft

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Es klingt verlockend, es klingt modern, zukunftsorientiert und vor allem digital: Eine interaktive Kraftfahrtversicherung, die mittels einer kleinen Box im Fahrzeug oder alternativ mit einer „Handy-App“ das versicherte Fahrzeug überwacht, um nutzungsbasierte Tarife anbieten zu können. Diese sog. Telematik-Versicherungsprodukte sind bei nahezu allen Kraftfahrt-Versicherungsunternehmen ganz oben auf der Agenda – zumindest als theoretisches Gedankenmodell. Immer mehr deutsche Versicherer überführen diese spielerischen „What-if“-Betrachtungen inzwischen in praktische Feldstudien bis hin zu Testprodukten.

Erste Testprodukte mit Endkunden in Deutschland verfügbar

Bisher waren es überwiegend kleinere Versicherer, die Endverbrauchern erste operative Lösungen anboten. Als Pionier dieser neuen Technologie ist die Sparkassen­Direkt-Versicherung zu nennen, die Ende 2013 – begleitet von einem medialen Feuerwerk – das erste in Deutschland verfügbare Telematikprodukt vorstellte. Der hieraus resultierende Marketingeffekt stellte Fragen zur Versicherungstechnik sowie zur eigentlichen Kundennachfrage völlig in den Schatten – zu Recht, denn dieses Produkt wurde bereits zur Einführung auf 1.000 Boxen begrenzt. Mit weniger media­ler Aufmerksamkeit kam das zweite verfügbare Telematikprodukt namens „Sijox“ Ende 2014 auf den Markt, das von der Signal Iduna Versicherung Kunden im Alter von bis zu 30 Jahren angeboten wird. Im letzten Jahr folgten dann erste Angebote größerer Versicherer wie das der Axa, die ebenfalls junge Fahrer als Zielgruppe ausgemacht hat, oder die Offerte der VHV Versicherungen, die sich erstmalig an alle Versicherungsnehmer richtet. Die Ankündigungen, dass in diesem Jahr mit Allianz und Huk-Coburg nun auch beide Marktführer Telematikprodukte anbieten werden, dürfte den Druck auf weitere bisher unentschlossene Marktteilnehmer erhöhen, sich hier entsprechend zu positionieren.
Dabei ist dieser derzeit zu beobachtende Aktionismus bemerkenswert und vielleicht sogar als irrational einzustufen. Denn neben der noch zu klärenden Frage, wie die bestehende Technologie sauber in ein versicherungstechnisch tragfähiges Konzept überführt werden kann, kommt zunehmend die Frage auf, ob diese Entwicklung überhaupt ein großes Kundeninteresse besitzt. Folgt also nach dem vielfach diskutierten Statement „Telematik sucht Business Case“ nun auch noch „Telematik sucht Kunden“?

Sehr heterogener Markt auch ohne Telematik

Um die Erfolgsaussichten dieser interaktiven Produktansätze…