Erschienen in Ausgabe 4-2016Köpfe & Positionen

Im Profil Dorothea Mohn

„Verbraucherschutz kann per se nicht kompromissbereit sein“

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Ihr freundliches Auftreten mag darüber hinwegtäuschen, dass Dorothea Mohn auch klare Kante zeigen kann. Ihre Aufgaben als Verbraucherschützerin verfolgt sie mit Leidenschaft. Wenn es um die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher geht, argumentiert sie knallhart. Die Teamleiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und Vorsitzende des Verbraucherbeirats der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen hat den Beruf gefunden, der ihr Erfüllung pur bringt, sagt sie.

Versicherungslobby funktioniert

Die 42-jährige Finanzexpertin sieht sich auf der moralisch richtigen Seite: „Ich setze mich dafür ein, dass Verbraucher auf vernünftige Art und Weise am Finanzmarkt versorgt und besser behandelt werden. Es darf nicht sein, dass hier das Recht des Stärkeren gilt.“ Das betreffe nicht nur Versicherungen und Finanzierungen, sondern auch Anlageprodukte im Finanzbereich.
Mohn kommt aus Harsewinkel in der Nähe von Bielefeld. Ostwestfalen sagt man ja gerne eine gewisse Dickköpfigkeit nach. Der langjährige Allianz-Chef Michael Diekmann ist so ein Dickkopf. Auch Mohn ist bereit, mit harten Bandagen zu kämpfen, für die Belange der Verbraucher. Ein Thema treibt sie seit längerem um: das Thema Offenlegung von Provisionen. Mohn meint, dass die Versicherungslobby besser als die Bankenlobby funktioniere. Deshalb bräuchten Provisionen nach dem Lebensversicherungs-Reformgesetz, aber auch nach der revidierten Versicherungsrichtlinie IDD, nach wie vor nicht offen gelegt zu werden, anders als etwa beim Wertpapiervertrieb. Aufgrund dieser unterschiedlichen Transparenzanforderungen würde der Finanzvertrieb jetzt stärker auf kapitalansparende Versicherungen als auf Wertpapierbasier-Empfehlungen setzen. „Es ist heuchlerisch und ärgerlich, dass sich die Branche zwar für Transparenz ausspricht, auf politischer Ebene aber die Offenlegung von Provisionen verhindert hat“, kritisiert sie. Mit dieser Blockade habe sich die Branche selbst entlarvt.
Mohn hält das Honorarberatungs-Gesetz für „schlecht gemacht“. Damit der Wettbewerb überhaupt funktioniere, setze das eine regulatorische Gleichbehandlung mit Vertretern oder Maklern voraus. „Wenn aber bei provisionsbasierter Beratung nach wie vor Intransparenz über die Kosten einer Beratung besteht und sogar suggeriert wird, dass diese nichts kosten würde, kann der Wettbewerb zwischen den Systemen nicht funktionieren.“ Verbraucher würden so weiterhin in die Irre geführt.
Ab 2017 müssen bei staatlich geförderten Rentenverträgen…