Erschienen in Ausgabe 4-2016Märkte & Vertrieb

Kurzfristige Bankeinlagen statt langfristige Altersvorsorge

Pensionsfondsverwalter hadern trotz Rekordergebnis mit dem Vorsorgeverhalten der Spanier

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Unser Geschäftsjahresergebnis 2015 ist zwar gut, jedoch unzureichend angesichts unseres Wachstumspotenzials, insbesondere im internationalen Vergleich“, sagte Juan Fernández Palacios vom spanischen Verband der Investmentgesellschaften und Pensionsfondsverwalter Inverco bei der Vorstellung der Geschäftsjahreszahlen 2015 der Pensionsfondsverwalter. 2015 ist das verwaltete Vermögen der spanischen Pensionsfondsverwalter um vier Prozent auf 104,5 Mrd. Euro gestiegen. Die Branche übertrifft damit im vierten Jahr in Folge das Rekordergebnis aus dem Vorjahr.
Für Fernández Palacios ist die Entwicklung trotzdem nicht zufriedenstellend. „Uns macht Sorgen, dass die Menschen nicht dort sparen, wo sie sollten“, sagt er. Spanien hat eines der schärfsten demografischen Pro­bleme weltweit und trotzdem ist die langfristige Altersvorsorge über Finanzprodukte massiv unterentwickelt. Der weit überwiegende Teil der Sparprozesse fließt in Immobilieneigentum, dem folgen kurzfristige Bankeinlagen. Das Sparvolumen der spanischen Familien über Finanzprodukte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegt bei 188 Prozent. Der europäische Durchschnitt bewegt sich mit 232 Prozent deutlich höher. Die Ersparnisse mittels Pensionsplänen und Versicherungen rangieren mit 15,4 Prozent sehr weit unter dem europäischen Durchschnitt von 40,2 Prozent. Demgegenüber kanalisieren die Spanier mit 42,8 Prozent deutlich mehr Ersparnisse in Bankeinlagen und Bargeld als der europäische Durchschnitt von 30,1 Prozent. Fernández Palacios sieht dringenden Handlungsbedarf für die kommende Regierung. Bei der aktuellen Regierungskrise in Spanien sind allerdings noch immer alle Optionen offen. Auch ein Linksbündnis unter der Beteiligung der sozialistischen Partei Podemos, die strikter Gegner jedweder privater Säule bei der Altersvorsorge ist, ist denkbar.

Bankensektor dominiert den Markt

Im Geschäftsjahr 2015 war das Privatkundengeschäft der Wachstumsmotor für die Pensionsfondsverwalter. Die Brutto-Neuzuflüsse in Pensionspläne erreichten eine Höhe von 4,7 Mrd. Euro, wovon 3,6 Mrd. Euro aus dem Einzelgeschäft stammen. Die Abflüsse in Form von Leistungen erreichten im gleichen Zeitraum eine Höhe von 4,2 Mrd. Euro, womit die Netto-Neuzuflüsse für 2015 bei 512 Mio. Euro liegen. Die Betrachtung der Anzahl der Pensionspläne unterstreicht hingegen die Sorgen vom Verbandspräsidenten Fernández Palacios. Die Zahl der Pensionspläne ist 2015 entgegen dem Trend um 0,5 Prozent auf 9,97 Millionen zurückgegangen. Da viele Inhaber…