Erschienen in Ausgabe 4-2016Unternehmen & Management

Garantiezins nach Risiko-Bereitschaft

Wie die Versicherer kalkulieren und was sie ihren Kunden anbieten können

Von Prof. Dr. Alexander Braun und Marius Fischer und Prof. Dr. Hato SchmeiserVersicherungswirtschaft

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Das aktuelle Niedrig­zinsumfeld hat er­hebliche Auswirkungen auf das Geschäft der Lebensversicherer. Viele Anbieter haben mit hohen Garantiezinsen aus Altverträgen zu kämpfen. Die zentrale Frage lautet demnach: Welchen Garantiezins sollten Unternehmen ihren Neukunden am besten anbieten?
Die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin senkte den Höchstrechnungszins für Neuverträge ab Januar 2016 auf ein Allzeit-Tief von 1,25 Prozent p.a. Dennoch liegt der Höchstrechnungszins damit noch immer deutlich über dem derzeitigen Zinsniveau. Aktuell liefert eine zehnjährige Bundesanleihe eine Verzinsung von 0,50 Prozent p.a. Die bis dato gängige Praxis von Versicherungsunternehmen, ihren Kunden den Höchstrechnungszins zu bieten, gerät vor diesem Hintergrund ins Wanken. Erste Unternehmen sind bereits mit einer Abweichung vom Höchstrechnungszins an den Markt gegangen.
In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, wie der Versicherer die optimale Höhe des Garantiezinses aus Kundensicht festlegen sollte. Zunächst zeigen wir die Auswirkungen unterschiedlicher Garantielevels auf das Endvermögen des Kunden im Sparprozess einer gemischten Kapitallebensversicherung auf. Insbesondere wird hierbei veranschaulicht, wie sich ein niedriger Garantiezins auf die zu erwartende Auszahlung sowie auf das damit verbundene Risiko (gemessen anhand der Standardabweichung) auswirkt. Anschließend werden die Präferenzen der Kunden einbezogen und kundengruppenspezifische Resultate aufgezeigt.1

Möglichst realitätsnahe Simulation

Die Ergebnisse beruhen auf einem Simulationsmodell zur Bewertung von Lebensversicherungsverträgen. Alle Auswertungen beziehen sich hierbei ausschließlich auf den Sparanteil des Versicherungsvertrags. Zunächst steht eine Analyse der Auszahlungsverteilung unter Variation der Mindestverzinsung im Fokus. Anschließend wird die Festlegung der optimalen Höhe der Zinsgarantie unter Berücksichtigung von Kundenpräferenzen abgeleitet.
Zum Zwecke des Vermögensaufbaus investiert ein Kunde eine jährliche Prämie in den Sparanteil einer gemischten Kapitallebensversicherung. Die Police garantiert dem Kunden eine jährliche Mindestverzinsung und zusätzlich eine jährliche Beteiligung an den Anlageüberschüssen des Versicherers (d.h. denjenigen Teil, der die Garantieverzinsung überschreitet). Die vom Versicherungsunternehmen garantierte Mindestverzinsung hat hierbei Gültigkeit für die gesamte Vertragsdauer. Die Kalibrierung des Modells erfolgt anhand der in Tabelle 1 angeführten Daten.
Zur Bestimmung des…