Erschienen in Ausgabe 3-2016Schlaglicht

Vieles möglich, vieles auch kompliziert

Mit neuen Geschäftsmodellen stellen sich Versicherer der Digitalisierung. Eine „Fast-Failure“-Kultur ist unerlässlich

Von Dr. Christian Kinder und Dr. Florian MüllerVersicherungswirtschaft

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Zweifellos: Deutschlands Versicherer sind kaum wiederzuerkennen. Noch vor wenigen Jahren war die Welt der Krankenversicherer und Krankenkassen weitgehend analog. Heute entwickelt eine der größten regionalen Versorgerkassen in Deutschland, die AOK Nordost, binnen weniger Monate ein digitales Kundenloyalitätsprogramm. Seit Januar 2016 können die 1,75 Millionen Versicherten mit „FitMit AOK“ über eine App oder ein Webportal Prämienpunkte für sportliche Aktivitäten, Vorsorgeuntersuchungen oder Mitgliedschaften im Sportverein sammeln. Auch in anderen Sparten schreitet die Digitalisierung voran. Im hart umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen positionieren sich derzeit Signal Iduna und Axa mit Telematik-Tarifen. Ein Pay-as-you-drive-Angebot der Huk-Coburg folgt im Herbst dieses Jahres.
Diese Beispiele zeigen: Die Digitalisierung ist im Alltag der meisten Anbieter angekommen. Auf dem Weg hin zum Versicherer der Zukunft gibt es auf mehreren Gebieten einschneidende Veränderungen:
Diese Veränderungen beschäftigen inzwischen den Großteil der Versicherungsunternehmen. Laut einer globalen Bain-Studie aus dem Jahr 2015 haben Sach- und Lebensversicherer den Weg zur digitalen Versicherung im Schnitt bereits zur Hälfte bewältigt. Das offenbart der eigens für die Studie entwickelte Index, der die Fortschritte der Häuser bei der Digitalisierung misst (siehe Abbildung rechts). Nichtsdestotrotz liegt noch viel Arbeit vor ihnen.

Kampf um Daten im Auto

Mit dem Programm „FitMit AOK“ und einer neuen digitalen Strategie demonstriert die AOK Nordost, was moderne digitale Plattformen leisten können und müssen. Einfache und schnelle Interaktionen, eine leichte Bedienbarkeit und intelligente Anreize verbessern das Kundenerlebnis und vertiefen die Kundenbindung. Zugleich begegnen etablierte Anbieter mit innovativen Auftritten der Gefahr, dass sich Intermediäre noch stärker zwischen sie und ihre Kunden drängen. Der Siegeszug digitaler Angreifer in anderen Ländern ist ein deutliches Warnsignal.
Den gleichen Zielen dient der Wandel vom Multi- zum Omnikanal. Nur bei 40 Prozent der Sach- und einem Drittel der Lebensversicherer lassen sich bislang Transaktionen in einem Kanal beginnen und in einem anderen abschließen. Angesichts der nun auch in der Versicherungswirtschaft zu beobachtenden Konvergenz beim Erstzugang ist dies auf Dauer ein unhaltbarer Zustand. Denn Anbieter wie Check24 oder GetSafe profitieren von Schwierigkeiten, die Kunden bei Interaktionen mit ihren angestammten Versicherern…