Erschienen in Ausgabe 3-2016Unternehmen & Management

Im Spannungsfeld zwischen Innovation und Verbraucherschutz

Brüssel forciert zurzeit keine stärkere Regulierung der Fintechs

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Sie gelten als jung, dynamisch und innovativ und sind den traditionellen Versicherern ein Dorn im Auge: Fintechs. Die Offline-Konkurrenz kritisiert vor allem die fehlende Regulierung der neuen Marktplayer, die so einen Wettbewerbsvorteil hätten. In Brüssel wird das Thema Fintechs wohl wahrgenommen, aber aus der Umgebung von EU-Finanzmarktkommissar Lord Jonathan Hill heißt es auf Anfrage der Versicherungswirtschaft, dass derzeit kein Handlungsbedarf im regulatorischen Bereich gesehen werde.
Priorität misst man hier aktuell der Regelung der grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen zu. Die dem EU-Kommissar Hill zuarbeitende Generaldirektion Finanzmarktstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion (DG Fisma) hat dazu die aktuelle Initiative „Grenzüberschreitende Finanzdientleistungen für Bürger in der EU“ ins Leben gerufen. Bis zum 18. März sind alle EU-Bürger aufgerufen, via Smartphone unter dem Hashtag #MyMoneyEU ihre Erfahrungen mit Bankkonten, Kreditkarten, Sparkonten, Lebensversicherungen sowie Hypothekenkrediten im EU-Ausland und im grenzüberschreitenden Geld- und Versicherungsmarkt offenzulegen. Der Erfolg ist bislang jedoch sehr übersichtlich: nur 165 Bürger haben bis jetzt auf diese Finanzkonsultation mit geposteten Videos reagiert.

Fintechs bringen sich in Stellung

Die Brüssler Freizügigkeit nutzen die Fintechs für sich und fordern zunehmend die klassischen Geschäftsmodelle der Branche heraus. Besonders aktiv zeigen sich dabei die Chinesen. Derzeit kommen laut KPMG-Ranking „Fintech 100“ sieben der 50 erfolgreichsten Fintech-Firmen aus dem Land der Mitte. Unter den Top Ten ragt der in Jerusalem angesiedelte weltweit führende Wagniskapitalgeber OurCrowd, hervor. Das im Jahre 2013 gegründete Unternehmen eröffnet Investoren aus aller Welt den Zugang zu und das Investment in vielversprechende Start-ups. OurCrowd-Gründer Hon Medved scharte bis dato mehr als 1.500 Geldgeber hinter seine Geschäftsidee und sammelte insgesamt 170 Mio. US-Dollar für risikoreiche Investionen für 80 Technologiefirmen ein.
Im deutschsprachigen Raum sorgt der 27jährige Start-up-Gründer Dennis Just mit seiner digitalen Versicherungsordner-App „Knip“ für Furore. Der in Berlin angesiedelte Knip kooperiert nach eigenen Angaben derzeit mit rund 70 Versicherern, musste allerdings unlängst einen herben Rückschlag einstecken: Der Schweizer Krankenversicherer Helsana kündigte die Zusammenarbeit mit dem Fintech Knip auf. Just sieht diesen Schritt unaufgeregt und geht seinerseits…