Erschienen in Ausgabe 3-2016Köpfe & Positionen

Medien-Querschnitt

Von Heinz Klaus MertesVersicherungswirtschaft

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Stupid Germans. Fuchtiger medialer Wochenend –Aufschlag rund ums Geld Ende Februar. Zunächst trumpfte der Spiegel mit seiner Online-Ausgabe am Freitag auf, in der auf der Titelanimation eine grässliche Vermögensfressmaschine alles vertilgt, was ihr vor die Zähne kommt. Ab Samstag konnte das Cover dann in Print hunderttausenfachen Sparer-Horror verbreiten. Denn um diese von Niedrigzins und anderen Widrigkeiten gebeutelte Volksschicht ging es in der Zehn-Seiten-Story. Doch, so die darin getrommelte Schlagzeilen-Botschaft: Die Deutschen „Ohne Zins und Verstand“ sind an ihrem Sparelend selbst schuld. Sie machen schlicht zu viel falsch bei der Vermögensmehrung. So werde die Tugend der Vorsorge „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ durch Unvermögen paralysiert, zürnt das Magazin. Eine Entwicklung, die naturgemäß die Langfrist-Geschäftsmodelle der Versicherer ins Abseits geraten lässt. Und in der guten „alten“ Lebensversicherung, die fast zeitgleich ihre Wachstumsschwäche im abgelaufenen Jahr bilanzierte, scheint das unbeschadet der noch bestehenden Millionen Verträge wohl auch teilweise so.
So bekommen die Versicherer in dem Report mehr Fett ab als etwa die von Milliarden-Abstürzen in Substanz und Reputation ramponierten Banken. Natürlich werden die „Provisionsjäger der Versicherungsunternehmen“ gegeißelt, die dank ihrer Lobbymacht in politischer Kumpanei das System des „stupid german money“ verkörperten, das arm statt reicher mache.
Wenig ist neu an diesem Gemälde – nur mit aktuellem Farbauftrag gepinselt, der auf die Psychologie der „deutschen Dummsparerei“ zielt , die sich dadurch auszeichne, „dass sie nicht nach Maximierung der Gewinne, sondern nach Minimierung der Verluste“ strebe. Ob eine solche Grundeinstellung wirklich die Schimpftirade „bizarres Risikoverhalten“ verdient, darf in Anbetracht des Dauerschlamassels um geldvernichtende Finanzkrisen bezweifelt werden. Vielmehr hätte in die trendig geschriebene Langstory wenigstens noch eine historische Geldwahrheit gepasst. Nämlich, dass bislang noch kein Bürger im Lande der Dichter und Denker Geld durch eine Lebensversicherung verloren hat, allenfalls nur nicht so viel herausbekam, wie er erwartete. Das kann man von anderen Spar- und Anlageformen ja nicht unbedingt sagen.
Brave Deutsche. „Wie das Gescherr, so der Herr“ könnte man in Umkehrung einer Volksweisheit sagen. Denn die Aufsichtsbehörde Bafin, Finanzwächterin der laut Spiegel-Report von schwäbischem Hausfrauengeist durchdrungenen und materiell…