Erschienen in Ausgabe 3-2016Unternehmen & Management

„Kumulrisiken bereiten den Versicherern Sorgen“

Spezialmakler Sabine Pawig-Sander und Sven Erichsen über das Schadenpotenzial von Cyberattacken

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Über Cyber wurde bisher vor allem gesprochen. Kommt der Markt nun wirklich ins Rollen?

Sabine Pawig-Sander: Cyberversicherungen erleben derzeit nach unserer Wahrnehmung einen Boom. Dass die technischen Möglichkeiten der schönen neuen Cyber-Welt auch mit vielen Risiken verbunden sind, hat spätestens seit dem Hack des deutschen Bundestages jeder mitbekommen. Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass nicht nur Risiken vorhanden sind, sondern auch Schäden eintreten. Dank medialer Berichterstattung können sie immer besser einschätzen, welche finanziellen Folgen ein Cyber-Angriff hat und für sie selbst haben könnte. Kundenanfragen gehen mittlerweile fast automatisch ein, viele sprechen das Thema von sich aus an, ohne dass der betreuende Makler es angestoßen hat.
Sven Erichsen: Die Cyber-Sparte entwickelt sich also nach langsamen Start nun auch in Deutschland rasant. Die Anzahl der Policen hat sich 2015 vervielfacht – von ca. 100 auf ca. 700 mit einem Volumen von geschätzt 15 Mio. Euro. Dieser Trend wird sich 2016 fortsetzen. In den USA ist das Prämienvolumen innerhalb von sieben Jahren von ca. 50 Mio. US-Dollar auf ca. drei Mrd. Dollar gewachsen. Für den deutschen Markt rechnen wir mittelfristig, d.h. bis 2020, mit einem Prämienvolumen von 200 Mio. Euro.

Wie hoch sind die Schäden aus Cyberattacken, wie hoch ist das Schadenpotenzial?

Sven Erichsen: Auch in Deutschland werden stetig Cyber-Schadenfälle gemeldet, immer noch liest man mindestens einmal in der Woche von einem größeren Cyber-Fall auch in den Medien. Aus unserem Bestand sind bereits ca. fünf Prozent der Policen von versicherten Schäden betroffen, was uns in dem Ausmaß auch überrascht hat. Inzwischen haben wir schon mehrere Schadenfälle reguliert.
Sabine Pawig-Sander: Der größte bekannte Schadenfall in den USA belief sich auf über eine Mrd. Dollar. In Deutschland haben wir Schäden im einstelligen Millionenbereich gesehen. Es gibt aber auch eine erhebliche Anzahl von Schäden zwischen 50.000 Euro und einer Mio. Euro. Grundsätzlich ist das Schadenpotenzial aber eher geringer als bei Feuerrisiken, die Schadenwahrscheinlichkeit jedoch drastisch höher.

Ist das Risiko versicherungstechnisch überhaupt beherrschbar?

Sabine Pawig-Sander: Das glauben wir schon – und die Erfahrung aus den USA zeigt dies auch. Allerdings gibt es noch zu wenig statistisches Material aus dem deutschen Markt, um verlässlich kalkulieren zu können und so sind insbesondere die deutschen Versicherer zurückhaltend.
Sven…