Erschienen in Ausgabe 3-2016Märkte & Vertrieb

Bloß keine Drehtür-Lösung

Abgang von Mario Greco offenbart Italiens Schwäche, fähige Spitzenmanager im Land zu halten

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Über seinen Wechsel wurde seit geraumer Zeit spekuliert, der Abgang schien nurmehr eine Frage des richtigen Zeitpunkts. Nachdem der Vertrag mit der schweizerischen Zurich-Versicherung in trockenen Tüchern war, legte der bisherige Vorstandsvorsitzende des Generali-Konzerns, Mario Greco, seine Funktion mit sofortiger Wirkung nieder. Die Nachricht wurde auf einer außerordentlichen Sitzung des Verwaltungsrats in Rom bekanntgegeben. Sein Mandat wäre regulär am 28. April ausgelaufen.
Bis zur Ernennung eines Nachfolgers wird nun der Präsident des Aufsichtsgremiums, Gabriele Galateri Conte di Genola, als Interimschef mit allen Vollmachten die Führung des Konzerns übernehmen. Damit soll in der Übergangsphase bis zur Findung eines geeigneten Nachfolge-Kandidaten Ruhe an der Spitze einkehren und die Kontinuität des von Greco eingeschlagenen Kurses gewährleistet werden. Beruhigen soll diese Mitteilung offenbar auch die Anleger an den Börsen, wo die Generali-Titel seit der Bekanntgabe von Grecos Wechsel in die Schweiz zeitweilig unter Druck geraten waren.
Für ein Durchatmen der Aktionäre dürfte allein schon die Person Galateris bürgen. Der 69-jährige Manager aus einem piemontesischen Adelsgeschlecht hatte in Italiens Wirtschaft und Industrie renommierte Spitzenjobs inne. Nach einer langen Karriere innerhalb der Fiat-Gruppe stieg er 2002 zu deren Co-Vorstandschef auf, überwarf sich aber bald mit der Agnelli-Familie. Er wechselte als Chef zum Mailänder Bankhaus Mediobanca und wurde 2007 an die Spitze der italienischen Telecom berufen. Seit fünf Jahren führt der auch in der italienischen Politik bestens vernetzte und in zahlreichen Ehrenämtern engagierte Galateri, der vom Staatspräsidenten mit dem Ehrentitel „Cavaliere“ ausgezeichnet wurde, den Verwaltungsrat der Generali-Gruppe.

Bankhäuser ziehen Versicherer in den Abgrund

Gleichzeitig mit der Interimsführung beauftragte der Generali-Verwaltungsrat Galateri, sich gemeinsam mit dem Konzern­komitee für Good Governance und Nominierungen auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Mario Greco zu begeben. Die bekannte Headhunting-Agentur Egon Zehnder soll dabei flankierend zur Seite stehen. Der selbstgesteckte Zeitplan scheint ambitioniert. Am Rande der Sitzung in Rom hieß es, der Prozess könnte innerhalb von vier Wochen abgeschlossen sein. Als Zielmarke gilt die nächste planmäßige Zusammenkunft des Aufsichtsrats am 17. März, bei der die Jahresbilanz 2015 verabschiedet werden soll.
Ob das gelingt, muss bis zur Stunde…