Erschienen in Ausgabe 3-2016Märkte & Vertrieb

Ruhe vor dem Sturm

In der PKV endet die Periode der stabilen Beiträge

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Die Private Krankenversicherung ist von bemerkenswerter Stabilität geprägt. Umgekehrt könnte man auch sagen: Die Privaten leiden unter Wachstumsschwäche. Um 1,8 Prozent wuchs die Zahl der versicherten Personen im Jahr 2014. Das Wachstum kommt ausschließlich aus der Zusatzversicherung. Fragt man Makler, so sehen die wenigsten in der Vollversicherung noch Potenziale. Für das Zusatzgeschäft hingegen sieht fast die Hälfte gute Chancen, Tendenz steigend. Das war vor Jahren noch genau umgekehrt.
Dabei haben sich die Privatversicherer stark geöffnet, vor allem gegenüber den begehrten Kunden aus der Beamtenschaft. Die Mehrheit der Privatversicherer bietet Beamten und Anwärtern inzwischen eine Aufnahmegarantie an. Wer die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat, wird unabhängig von seinem Gesundheitszustand aufgenommen, Leistungseinschränkungen gibt es keine, der Risikozuschlag ist auf 30 Prozent beschränkt. Bei der Huk-Coburg lockt man damit auch Angestellte. Die Coburger gehören zu den sechs Privatversicherern, die 2014 in der Vollversicherung gewachsen sind. Am stärksten wuchs die Concordia, gefolgt von R+V, Debeka, Huk-Coburg, Hanse-Merkur und der Alten Oldenburger. Die zur VGH gehörenden Norddeutschen stehen bei fast allen PKV-Ratings an der Spitze. Im Markt stehen sie unverändert an 25. Stelle. Da der PKV-Markt annähernd gesättigt ist, droht die Gefahr massiver Umdeckungen. Doch aus den Statistiken der Geschäftsberichte kann man herauslesen, dass die Wechselaktivität im Jahr 2014 deutlich zurückgegangen ist. Im Wechsler-Geschäft gewonnen haben Continentale, Hanse Merkur, Axa, Debeka und Signal, verloren haben Central, Axa und ebenfalls die Continentale. Das Jahr 2014 war von Beitragsstabilität geprägt, das zweite Jahr in Folge. Das ändert sich nun. Nach Berechnungen von Map-Report stiegen die Bestands-Beiträge zu Jahresbeginn um durchschnittlich 4,1 Prozent. Am stärksten schlugen R+V, Hallesche und DKV auf. Mit der neuen Gebührenordnung für Ärzte werden die Kosten für medizinische Behandlung weiter steigen. In der nun gefundenen Kompromiss-Lösung sollen die Ärzte „angemessen“ vergütet werden, ohne die finanzielle Belastbarkeit der Patienten allzu sehr zu strapazieren. Billiger wird es für die Privatversicherer auf keinen Fall.ba

Kennzahlen der PKV-Unternehmen (2014)

(Quelle: Bafin)
Verdiente Brutto-Beiträge (Tsd. Euro)Versicherte PersonenKapitalanlagen (Tsd. Euro)Netto­verzinsung in %Schaden­aufwand in % der BBEAbschlussaufwendungen in % der BBE