Erschienen in Ausgabe 3-2016Märkte & Vertrieb

Der lange Marsch

Munich Re hat ihre Wachstumsprobleme nicht ernsthaft genug angegangen

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Es war eine gute Erneuerung für die Munich Re. Zwar verloren die Münchener elf Prozent ihres Geschäfts, doch das konnten sie durch Neugeschäft mehr als kompensieren. Eine Mrd. Euro Beitragsvolumen wurde nicht verlängert, teils weil die Kunden nicht mehr wollten, teils weil die Munich Re dieses Geschäft zu den Konditionen nicht mehr machen wollte. Doch dafür schrieben sie 1,2 Mrd. Euro an Neugeschäft, zu akzeptablen Konditionen. Das Preisniveau sei um ein Prozent gesunken, berichten die Münchener, das Volumen um 0,7 Prozent gestiegen.
So sieht Stabilität aus. Die Rückversicherungsmärkte sind butterweich, so weich, dass sie jetzt an Grenzen des technisch verantwortbaren Preises stoßen. Ludger Arnoldussen hatte sich bei den Gesprächen in Baden-Baden betont hart gegeben. „Wenn die Preise unter dem Niveau sind, das wir uns vorstellen, dann zeichnen wir uns zurück“, sagte der Munich-Re-Manager. „So haben wir 150 Jahre überlebt.“ Arnoldussen ist promovierter Betriebswirt und seit seinem 26. Lebensjahr für die Bayerische Rück tätig gewesen, die in der Swiss Re aufgegangen ist. 2006 ging er zum Konkurrenten und leitet seitdem das Deutschland-Geschäft. Hinzu kommen Asien und Afrika. Eigentlich begann der gebürtige Duisburger sein Berufsleben bei der Commerzbank, doch er ist längst zu einem Versicherungsmanager von echtem Schrot und Korn geworden, wie man ihn so selten noch antrifft. In der konservativen Versicherungsbranche kommt das an.
Doch seit vergangenem Jahr versetzen sich die so auf Stabilität erpichten Münchener in einen Innovationsschock. Der Grund ist die zweite große Welle der Internetwirtschaft, die Geschäftsmodelle in fast allen Branchen auf die Probe stellt. „Wir müssen an diese technologischen Entwicklungen ran“, sagte Arnoldussen in Baden-Baden.

Mit Risikoaversion umgehen

Sein Vorstandskollege Thomas Blunck drückt das so aus: „Wir sind alt, wir sind konservativ, wir sind risikoavers, wir sind nicht besonders kreativ, also müssen wir mit Euch reden.“ Auf einer Fintech-Konferenz in München beschrieb er, was die Munich Re nicht kann, aber können will. „Außerhalb unserer traditionellen Versicherungs-Ökosystems ist so viel Kreativität, so viel Geschwindigkeit, die können wir intern nicht abbilden.“ Blunck hat eine Einheit aufgebaut, die getrennt von dem Tagesgeschäft nach Start-ups mit neuen Ideen fahndet, im „Innovation Lab“ in Garching, in Berlin, im Silicon Valley und in Tel Aviv. Blunck gehört zu den ersten Managern, die Nikolaus von Bomhard an die…