Erschienen in Ausgabe 3-2016Schlaglicht

„Versicherer müssen aufpassen, nicht in Abhängigkeiten zu geraten“

Wirtschaftsforscher Clemens Fuest über digitale Investitionen und mehr Offenheit für Neues

Von Versicherungswirtschaft

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Clemens Fuest zählt zu den publikationsstärksten und einflussreichsten Volkswirten Deutschlands. Seine Stimme hat Gewicht in der finanz- und wirtschaftspolitischen Debatte – in Fachwelt und Öffentlichkeit auch international. Seit Jahren berät der Ökonom auch die deutsche Politik. Fuests Reichweite und Wirkung dürften noch zunehmen. Wenn er – bislang Präsident des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW – an die Spitze des Ifo-Instituts in München wechselt, werden seine ökonomischen Kursansagen noch stärkere Beachtung finden und seine neue Praeceptor-Rolle in der deutschen Wirtschaftsforschung konturieren. Nicht zuletzt deshalb, weil der vom Ifo veröffentlichte Geschäftsklimaindex als signifikantes Stimmungsbarometer auch polarisierende Wirkungen entfaltet. Dem pluralen wirtschaftspolitischen Diskurs in Deutschland dürfte das gut tun. Der Münsteraner mit westfälischer Unaufgeregtheit formuliert verbindlich, aber nicht unter Verzicht auf Klarheit. Er setzt sich ein für freie Märkte innerhalb eines starken ordnungspolitischen Rahmens. Fuest ist kein Ideologe, aber konsequent bis kämpferisch in der Vertretung seiner Positionen und Postulate. Grundeinstellung: Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist nichts.

Versicherungswirtschaft: Nach Angaben des World Economic Forum gehört die deutsche Volkswirtschaft zu den vier wettbewerbsfähigsten der Welt. Ist diese starke Position auf den Weltmärkten langfristig gesichert oder sind die Einschätzungen trügerisch?

Clemens Fuest: In Deutschland gibt es viele Unternehmen, die sich mit Innovationen und hoher Spezialisierung eine starke Wettbewerbsposition erarbeitet haben. Es ist aber keineswegs gewährleistet, dass diese starke Position erhalten bleibt. Die Bedürfnisse der Kunden ändern sich laufend, neue Technologien und neue Wettbewerber treten in Erscheinung. Die deutsche Wirtschaft muss sich ständig anpassen, um ihre Position zu halten.

Selten waren Industrie- und Dienstleistungssektor so stark in Bewegung wie heute. Cloud-Computing, 3-D-Druck und autonomes Fahren stehen exemplarisch für den technologischen Fortschritt. Wie stark hängt der deutsche Wohlstand von einer hohen digitalen Leistungskraft ab?

Die Digitalisierung ist ohne Zweifel eine wichtige Veränderung, die sich auf so gut wie alle Bereiche der Wirtschaft auswirkt. Für den Wohlstand in Deutschland ist es wichtig, die Chancen der digitalen Beschleunigung zu nutzen. Das gilt aber nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für das Bildungssystem und jeden…