Erschienen in Ausgabe 3-2016Schlaglicht

Das Gesicht der Wirtschaft formt sich neu

Die Versicherer stellen sich dem machtvollen und umfassenden Prozess der Digitalisierung immer offensiver

Von Heinz Klaus MertesVersicherungswirtschaft

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In der Eigenwahrnehmung steht der Standort Deutschland nicht schlecht da. Die Politiker wiederholen schier pflichtschuldigst, wie gut es um ihn stehe und wie viel wettbewerbsfähiger unsere wirtschaftlichen Verhältnisse und Strukturen seien als die in der Welt ringsum. Immer wieder gießen Wirtschaftsexperten – etwas distanzierter einiges Wasser in den Wein der zufriedenen Denkungsart, um diese dann doch zugleich wieder im internationalen Vergleich mit einem unüberhörbaren „Zwar-Aber“ zu relativieren.
Unter dem Leitslogan „Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt“ zum Beispiel attestierte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Herbstgutachten 2015/16, dass in Deutschland „die gute wirtschaftliche Entwicklung auf absehbare Zeit“ anhalten werde, doch zugleich sind eindringlich die Risikolagen beschrieben, die als Achillesfersen zu werten sind (siehe auch Interview S. 14). Besonders bedrückend dabei die Adresse der Wirtschaftsweisen nicht zuletzt an die Macher in Wirtschaft und Politik: „Derzeit ist wenig von einer Aufbruchstimmung zu spüren, die Deutschland befähigen könnte, seine starke wirtschaft­liche Stellung in einer immer enger verflochtenen und digitalisierten Welt zu behaupten.“

Modernisierung vs Risikoaversion

Da ist es wieder, jenes fast bis zum Überdruss den Fortschrittsdruck bestimmende Wort „Digitalisierung“. Es steht für Beschleunigung, Veränderung mit schier unübersehbaren Interdependenzen, Interaktionen, Wagnissen, aber auch Chancen, neue Marktwege zu eröffnen, Unternehmen effizienter zu steuern, innovative Produktivität zu entfalten. Kurzum für die unternehmerische Pflichtaufgabe querab über alle Branchen, Gegenwart zu bewältigen und Zukunft zu gestalten.
Und die Versicherungswirtschaft? Sie steht inmitten der Kompression der als säkular empfundenen Wendezeiten – und nicht gerade selten ist auch ein gewisses Wanken nicht zu übersehen.
„Viele traditionelle Player der deutschen Versicherungsbranche haben sich zu lange auf der Langfristigkeit ihrer Policen ausgeruht“, urteilt Nikos Kotalakidis, Industry Leader Insurance bei Google Germany. Damit haben sie mögliche Innovationen mittels Digitalisierung eher kleinen, agileren Partnern überlassen.“ Mag sein, dass sich aus einem branchenspezifischen Risikoaversion Versicherer Veränderungen eher verhalten anheimgeben. Bei der Digitalisierung, das indes ist im Branchenbewusstsein inzwischen durch, funktioniert das nicht. Die Woge reißt ganz einfach mit…