Erschienen in Ausgabe 3-2016Köpfe & Positionen

Schön geschrieben

Von Heinz Klaus MertesVersicherungswirtschaft

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Autobiografie ist die Geschichte des eigenen Lebens – selbst erzählt. Das Persönliche darin rührt immer an, weil der Leser bei der Durchwanderung des Autoren-Lebensweges seine eigene Vita mit der geschilderten vergleicht, gleiche Zeiterfahrungen und Kreuzungspunkte bei oft unterschiedlicher Wahrnehmung entdeckt – kurzum, solche publizistischen Formate sind unterhaltsam im besten Sinne des Wortes.
Das gilt auch für die „Erinnerungen eines Aktuars“, die der in der Bausparkassen- und Versicherungsbranche altbekannte Mathematikprofessor Hans Laux unter der etwas hochgestimmten Oberzeile „Trilogie meines Lebens“ jetzt herausbrachte. Nun wird nicht jedermann a priori davon ausgehen, dass das Leben eines Aktuars überreich an Spannungsmomenten ist, die ein memoirenaffines Publikum zu seiner Ergötzung inklusive Blick durchs Schlüsselloch sucht. Vielmehr zählt es zu den Lebenserfahrungen des Autors, dass er in Erstbegegnungen auf seine Berufsnennung hin immer wieder auf ein irritiertes „Wie bitte?“ gestoßen sei. Nachhilfe gibt dann Hans Laux in Kapitel zwei seiner Trilogie reichlich, um das von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) formatierte, aber nicht geschützte Berufsbild zu erläutern.
Der heute 86-Jährige erweist sich durchaus im Trend der Zeit, indem er die strategische Dimension aktuarieller Arbeit und ihrer unternehmerischen Querschnittsfunktion über die des reinen Zahlenmenschen hinaus hervorhebt. Mit dieser Portion gehörigem Selbst- und Sendungsbewusstsein machte Laux zügig Karriere. Nach einer Stage bei dem berühmten Georg Heubeck stieg er zum Chefmathematiker der Bausparkasse Wüstenrot auf und konzipierte die Gründung der Lebensversicherung dieser Gruppe. Zudem brachte er es zum Boulevard. Inmitten „barbusiger Mädchen“ (Laux) prangte 1980 sein Kopf auf dem Titel des Magazins Capital mit der doppeldeutigen Headline „Kaufen oder mieten?“.
Dass indes der katholische, der Weingeselligkeit durchaus zugewandte Rheinländer aus der kargen Eifel zeitlebens ein treuer Familienvater war, offenbaren die zwei weiteren Teile der Trilogie, die in Wort und Fotos viel Persönliches enthalten. So viele Zeitzeugen, der Zeit im Krieg und danach, des erstarkenden Wirtschafts- und Finanzlebens, der blühenden Symbiose von Wissenschaft und Unternehmertum gibt es nur wenige – zumindest nicht solche, die das so authentisch in ein fast 300 Seiten starkes Buch zu gießen wissen. Hans Laux ist es gelungen.hkm
Trilogie meines Lebens. Erinnerungen eines Aktuars, Hans Laux…