Erschienen in Ausgabe 3-2016Köpfe & Positionen

Ein ruheloser McKinsey-Mann

Der Wechsel Grecos zur Zurich wirft Wellen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Ein ruheloser McKinsey-Mann

Der Wechsel Grecos zur Zurich wirft Wellen

Der 56-jährige Neapolitaner Mario Greco ist überraschen­derweise mit sofortiger Wirkung von Triest ins transalpine Zurich gewechselt. Für die Generali bedeutet der Weggang einen schweren Schlag. Die reformbedürftige Zurich hat mit Greco einen CEO gewonnen, der weiß, wie man einen Turnaround bewerkstelligt. Für die Zurich dürfte er eine Ideal­besetzung sein.
Anfang Dezember 2015 hatte die Zurich verkündet, dass ihr CEO Martin Senn die Gesellschaft zum Jahresende verlassen wird. Zum Verhängnis wurde Senn der gestoppte Versuch, die britische RSA zu übernehmen.
Generali wird von Mediobanca kontrolliert, auch wenn sie lediglich 13,45 Prozent der Aktien kontrollliert. Mediobanco steht dem „salotto buono“ (wörtlich: die gute Stube) vor, einem informellen Geflecht an Beziehungen im Finanzwesen, die man nicht ganz an heutigen Vorstellungen von Corporate Governance messen kann. Die intransparente Art der Einflussnahme durch Medio­banca war es wohl auch, was Greco so verärgerte, dass er seinen Vertrag in Triest nicht mehr verlängern wollte. Er soll sich dem Ansinnen des Mediobanca-Chefs und Vizepräsidenten des Generali-Aufsichtsrats, Alberto Nagel, widersetzt haben, im nationalen Interesse (und wohl auch dem der Mediobanca) eine der notleidenden italienischen Banken zu übernehmen und zu rekapitalisieren. Greco erwarb 1983 in Rom einen Bachelor in Volkswirtschaft und 1986 an der Rochester University einen Master in internationalen Beziehungen und Volkswirtschaft. Zwischen 1986 und 1994 arbeitete er für McKinsey, zuletzt als Partner. Er zählt zu den vielen McKinsey-Alumni, die ihre Karrieren wechselseitig stützen. Von 1995 bis 2005 brachte er es bei der italienischen Allianz-Tochter RAS zum CEO, zwischen 2007 und 2012 war er bei der Zurich tätig. Bloomberg gibt Grecos Gesamtvergütung bei Generali mit 4,1 Mio. Dollar an. Zurich soll deutlich großzügiger sein.
In früheren Jahren war es üblich, dass man über Jahrzehnte ohne Unternehmenswechsel Karriere machte und schließlich über zehn oder 15 Jahre bis zur Pensionierung auf dem CEO-Sessel verweilte. Der heutige Homo Assicurativus Chamaeleon zieht es vor, auch nach Erklimmung höchster Gipfelgrade nach Verbesserungen zu schielen und optimierend den Arbeitgeber zu wechseln. Dieses Phänomen könnte zu einer McKinseyierung der Unternehmenskulturen führen. Für die vom Abgang eines derartigen Stars betroffenen Unternehmen sind die Börsenkurs-Auswirkungen so…