Erschienen in Ausgabe 3-2016Köpfe & Positionen

Die perfekte Welle.

Zu Forum & Meinung: „Getriebene oder Gestalter? Der Ritt auf dem digitalen Tsunami“,

Von Dr. Andreas NolteVersicherungswirtschaft

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Der Zauberwürfel ist entzaubert. Zwei Software-Entwickler haben einen Roboter gebaut, der den guten alten Rubik’s Cube innerhalb von 1,047 Sekunden löst. Der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde ist beantragt. Dort finden sich derzeit noch der schnellste Mensch mit einer Zeit von 4,90 Sekunden und der schnellste Roboter mit 2,4 Sekunden.
Als eine der letzten Bastionen, in der der menschliche Verstand der Maschine überlegen ist, galt das chinesische Brettspiel Go. Zumindest bis Beginn dieses Jahres. Da schlug eine Google-Software den menschlichen Meister im Go. Und dann war da ja noch das Kultquiz Jeopardy. 2011 trat IBMs Super-Suchmaschine „Watson“ gegen zwei Jeopardy-Superchampions an. Und übertraf beide.
So wie in den Jahren zuvor habe ich auch 2016 gemeinsam mit Kollegen aus dem Vorstand die Messe Consumer Electronics Show in Las Vegas besucht und hatte das Glück, dabei die Keynote von Ginni Rometty, CEO von IBM, miterleben zu können. Sie beschwor darin den Anbruch der kognitiven Ära herauf. Daten sammeln ist einfach. Die Daten zu begreifen und zu nutzen, das ist das Thema der Zukunft.
Dr. Solte hat seinen Meinungsbeitrag zur Digitalisierung im Januar mit „Getriebene oder Gestalter? Der Ritt auf dem digitalen Tsunami“ überschrieben. Ein Tsunami, das ist eine lange Wasserwelle, die sich zur Flutwelle auftürmt. Die meisten Menschen verbinden den Begriff mit Zerstörung und Verzweiflung. Lassen Sie uns dieses Bild also zurechtrücken. Keine Monsterwelle. Sondern eine gewaltige Welle, die denjenigen, der auf ihr reitet, weit trägt. Die perfekte Welle. Aber anspruchsvoll! Der Autor wirft auch die Frage auf, was passiert, wenn wir unsere Wertvorstellungen über Bord werfen. Wird unser Schiff dann leichter, schneller, besser manövrierfähig auf dem gewaltigen Meer?
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Und es geht nicht darum zu machen, was machbar ist, sondern darum, neue Techniken einzusetzen, neue Wege zu gehen und neue Denkansätze zu wagen. Doch das Prinzip Versicherung baut auf einem – zutiefst menschlichen – Wertegerüst auf.
Versicherung ist immer auch Vertrauenssache. Es geht um Sicherheit, Absicherung von Risiken und Vorsorge. Das Glaubens­bekenntnis der Allianz ist: Die Daten gehören dem Kunden. Für uns als Risikomanager gehörte die Auswertung von Daten schon immer zu unserem Kerngeschäft: von Sterbetafeln, meteorologischen Daten und Wettereinflüssen bis hin zu Erdbeben-Statistiken. Die Grundprinzipien unseres Geschäfts behalten ihre Gültigkeit auch in der…