Erschienen in Ausgabe 3-2016Märkte & Vertrieb

Schlag gegen die Steuertrickser

Europäische Union verstärkt Engagement für einheitliche Gewinnermittlungsverfahren global agierender Unternehmen

Von Dr. Björn DemuthVersicherungswirtschaft

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Noch vor dem Ablauf der niederländischen Ratspräsidentschaft Mitte des laufenden Jahres will die Europäische Union neben einer einheitlichen Steuerberechnungsbasis die Base-Erosion-and-Profit-Shifting-(Beps)-Maßnahmen zur Bekämpfung der Steuervermeidung internationaler Unternehmen umsetzen. Ein durchaus ambitioniertes Ziel, zumal beide Vorhaben eine Vielzahl von Konsequenzen für die Besteuerung global agierender Firmen nach sich ziehen – auch für die Versicherungskonzerne.
Die Einführung einer europaweit einheitlichen Steuerbemessungsgrundlage bedeutet, dass sich alle EU-Mitgliedstaaten auf ein einheitliches Gewinnermittlungsverfahren bei der Steuererhebung festlegen müssen. Dies kann bei ernstgemeinter und effektiver Umsetzung für in der EU tätige Unternehmen mit einer enormen Vereinfachung der Buchhaltung einhergehen. Erst durch eine einheitliche Steuerbemessungsgrundlage ist einfach zu erkennen, wo und wie Gewinne entstanden sind, sodass die Wertschöpfung an dem Ort besteuert werden kann, wo sie entstanden ist.

Doppelte Nichtbesteuerung wird eingeschränkt

Das Vorhaben verwundert trotzdem, weil bisher jeder EU-Mitgliedstaat die Steuerberechnung nach eigenen Maßstäben vollzieht. So lässt sich eine Steuererklärung in den Niederlanden mit wenigen Angaben erledigen, wohingegen Deutschland dafür bekannt ist, sehr individuell und kompliziert mit dem Anspruch auf Individualgerechtigkeit unter zahlreichen Sondergestaltungen und Ausnahmen seine Steuern zu erheben. Allerdings sind individuelle Befreiungen sowie die Höhe der Steuersätze von der Einführung eines einheitlichen Gewinnermittlungsverfahrens nicht betroffen, diese obliegen weiterhin den nationalen Gesetzgebern.
Die Globalisierung und die damit verbundene Freizügigkeit multinationaler Unternehmen erfordern zunehmend auch eine Anpassung des internationalen Rechts. Diese Notwendigkeit zeigt sich insbesondere im Steuerrecht, welches in zahlreichen Fällen nicht ausreichend Möglichkeiten bietet, um effizient die unter multinationalen Unternehmen verbreitete Verminderung von Steuerbemessungsgrundlagen sowie Gewinnverlagerungen einzudämmen. Schätzungen gehen von jährlich 100 bis 240 Mrd. US-Dollar Mindereinnahmen weltweit bei der Körperschaftsteuer aus, was vier bis zehn Prozent des globalen Körperschaftsteueraufkommens entspricht. Im Herbst vergangenen Jahres einigten sich die OECD- und G20-Staaten nun auf ein 15 Punkte umfassendes Maßnahmenpaket gegen Beps. Auf Grundlage dieser vereinbarten internationalen…