Erschienen in Ausgabe 3-2016Unternehmen & Management

Der Markt ist reif

Cyberrisiken auf dem Weg zum Wachstumsfeld für die Versicherer

Von Jo Müller und Carsten TopschVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Mit der digitalen Vernetzung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche nehmen die Attacken durch Cyberkriminelle zu. Inzwischen, so die Schätzungen, entsteht durch Hackerangriffe weltweit ein finanzieller Schaden in Höhe von rund 500 Mrd. Euro jährlich. Alarmierend für die Wirtschaft hierzulande: Laut einer aktuellen KPMG-Studie entfallen mehr als zehn Prozent der globalen Schadensumme allein auf Deutschland. Zum selben Resultat kommt auch eine vom Center for Strategic and International Studies durchgeführte Untersuchung aus dem Jahr 2014. Demnach ist Deutschland, gemessen an der Wirtschaftsleistung, der am stärksten von Cyberkriminalität betroffene Staat – mit einem Schadenvolumen in der Größenordnung von 1,6 Prozent des Bruttosozialprodukts. Zum Vergleich: In den USA, die gleich hinter Deutschland auf Platz 2 liegen, sind es nur 0,64 Prozent. Umso mehr überrascht es, dass bislang nur wenige deutsche Unternehmen eine Cyberpolice abgeschlossen haben.
Historisch gesehen stehen wir bei der Cyberversicherung in Deutschland immer noch am Anfang. Ein Grund mag die Tatsache sein, dass sich ein neues Produktsegment nicht von heute auf morgen etabliert. Zu Beginn versuchte es die Versicherungswirtschaft damit, den neuen Risiken mit einer Kombination von altbekannten Versicherungsprodukten, z.B durch Zusatz-Bausteine in den etablierten Sach- und/oder Haft­pflichtpolicen, zu begegnen. Die erste definierte deutsche Cyberpolice kam jedoch erst 2011 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt war das Produkt in den USA längst ein Multi-Millionenmarkt. Die Verhältnisse haben sich seitdem kaum geändert. Rund 90 Prozent der globalen Prämieneinnahmen stammen nach wie vor aus Nordamerika. Der zentrale Nachfragetrigger ist das Rechtsumfeld. Es fokussiert sich in den USA auf Konsumentenschutz und konfrontiert die Unternehmen im Fall der Fälle mit Kosten aus Benachrichtigungsverpflichtungen und hohen Schadenforderungen bei Datenschutzverletzungen, für die Unternehmen haftpflichtig sind. Weitere Gründe für die bessere Marktakzeptanz sind die selbstverständlichere Nutzung von Kreditkarten sowie ein hohes öffentliches Gefahrenbewusstsein durch regelmäßige Großschadenereignisse.
In Europa und Deutschland wurden diese Risiken lange Zeit verdrängt und öffentlich kaum wahrgenommen. Dies hat sich grundlegend geändert und zu einem Bewusstseinswandel geführt. Erklären lässt sich dieser mit der zunehmenden Schadenhäufigkeit bei gleichzeitig immer stärkerer Vernetzung aller Arbeits- und Lebensbereiche…