Erschienen in Ausgabe 3-2016Trends & Innovationen

Spreu und Weizen

Deutsche Versicherer halten sich wacker, US-Geschäft hingegen macht Probleme

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Versicherer mit starkem US-Exposure hatten im vergangenen Jahr Probleme. Die deutschen Versicherer hingegen berichten über Wachstum, das bei der R+V sehr kräftig ausfiel. Die Allianz weist solide Zahlen auf, denen es allerdings ein wenig an Phantasie fehlt. Konzernchef Oliver Bäte will zukaufen und bestehende Portfolios arrondieren, Großfusionen lehnt er ab. Im asiatischen Schadenversicherungs-Geschäft ist der Münchener Versicherungsriese tendenziell unterrepräsentiert, hier möchten die Münchener aber mit organischem Wachstum voran kommen. Der Umsatz der Allianz stieg im Jahr ihres 125-jährigen Bestehens um 2,4 Prozent auf 125,2 Mrd. Euro, das operative Ergebnis legte um 2,4 Prozent auf 10,7 Mrd. Euro zu, das entspricht einer Eigenkapitalrendite von 12,4 Prozent. Der Zielwert der Allianz liegt bei 13 Prozent.
Wie gut dieses Ergebnis der Münchener ist, macht der Blick auf die Konkurrenten deutlich. AIG hat derzeit massive Probleme in seinem Kerngeschäft und musste im vierten Quartal letzten Jahres 3,6 Mrd. US-Dollar in seine Reserven packen. Selbst Altreserven aus den Jahren vor 2005 wiesen Löcher auf. Dadurch sank der Gewinn des einst unanfechtbaren Versicherungskonzerns von 7,5 auf 2,2 Mrd. US-Dollar, das entspricht einer Eigenkapitalrendite von 2,2 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 7,1 Prozent gewesen. Konzernchef Peter D. Hancock kündigte ein umfangreiches Maßnahmenpaket an, durch das die Eigenkapitalrendite in diesem Jahr wieder neun Prozent erreichen soll. Corporate Raider Carl Icahn will AIG in drei Unternehmen aufspalten und Lebensversicherung, Schadenversicherung und Hypothekenversicherung voneinander trennen. Derzeit spalten sowohl General Electric als auch Metlife Teile ihres Geschäfts ab, um aus der Liste der global signifikanten Finanzinstitute zu verschwinden. Hancock ist dagegen.
Auch die Zurich hat ein enttäuschendes Jahr hinter sich, in dem ausgerechnet das Schadenversicherungsgeschäft schwächelte. Der Gewinn brach um 53 Prozent auf 1,8 Mrd. US-Dollar ein, was einer Eigenkapitalrendite von 6,6 Prozent entspricht. Das Ziel liegt bei 12 bis 14 Prozent. „Das ist ein enttäuschendes Ergebnis“, sagt Tom de Swaan, der dem langjährigen Konzernchef Martin Senn im Dezember den Rücktritt nahe gelegt hatte. Nachfolger Mario Greco kniet sich bereits in die Sanierung des Konzerns rein (mehr auf S. 68). 2016 wird die Zurich die angestrebte Profitabilität noch nicht erreichen, sagt de Swaan. Seiner Einschätzung nach sind die Schweizer im…