Erschienen in Ausgabe 3-2016Märkte & Vertrieb

Vernunftehe vor dem Aus?

Britischer EU-Austritt birgt unkalkulierbare Risiken für den Finanzplatz London

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Dass David Cameron das für Juni anvisierte Referendum über den EU-Verbleib Großbritanniens als strahlender Sieger in der Tradition einer Margaret Thatcher wird abhalten können, scheint unwahrscheinlich. Der Premierminister steht unter Zugzwang: Absagen kann er die Abstimmung nicht mehr, allenfalls um einige Monate verschieben. Angesichts der kontinentalen Bilder eines nicht abreißenden Flüchtlingsstroms verhärtet sich in der britischen Bevölkerung die Tendenz, der EU künftig den Rücken zu kehren. Auch innerhalb der Conservative Party um Cameron steigt der Widerstand: Die Kabinettsmitglieder sind sich nicht einig, ob sie der proeuropäischen Linie ihres Premiers folgen sollen.
Das Szenario eines Brexit wird immer wahrscheinlicher. Wie dieser konkret ausgestaltet werden würde, weiß zum jetzigen Zeitpunkt allerdings niemand. Angesichts der Ungewissheiten hinsichtlich der künftigen Beziehungen zur EU ist in der britischen Wirtschaft eine zunehmende Nervosität zu beobachten. Britische Pharmakonzerne zum Beispiel befürchten nicht mehr unter die EU-einheitlichen Zulassungsbedingungen für Medikamente zu fallen; Banken haben die Sorge, ihre kontinentalen Geschäfte nicht mehr von London aus betreiben zu können. Die US-Investment Bank etwa ergriff in diesem Zusammenhang durch eine 500.000-Pfund-Spende an einen Pro-EU-Verein in klarster Weise Partei.
Auch britische Versicherer dürften nun sogenannte Contingency Plans entwickeln, in welcher Weise sie nach einem mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit kommenden Brexit ihre kontinentalen Geschäfte weiter betreiben können. Henri de Castries, Chief Executive Officer des Axa Konzerns, bezeichnete den Austritt Großbritannies aus der EU als mittlerweile durchaus möglich. Dieser bringe unvorhersehbare Konsequenzen für den Londoner Finanzmarkt mit sich. Nach Angaben der Financial Times beginnen große Londoner Anwaltskanzleien damit, ihren Mandanten ganze Stäbe zur Verfügung zu stellen, die Pläne für Sitzverlegungen entwerfen werden. Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte das mit einem 12,5 prozentigen Körperschaftssteuersatz konkurrenzlos günstige Irland für viele Marktakteure die erste Wahl sein.

Britische Autoversicherer müssen diversifizieren

Von einer Disruption berichtet Standard & Poor’s. Die Ratingagentur hat die Auswirkungen technologischer Neuerungen bei Autoherstellern auf britische Autoversicherer untersucht. Seit Jahren herrscht ein Trend zur Reduzierung sowohl von der Unfallfrequenz als auch der Unfallfolgen…