Erschienen in Ausgabe 3-2016Köpfe & Positionen

Agile Führungsstrukturen gesucht.

Zu Titelreport: „Leadership zwischen Kalkül und Können“,

Von Achim Steinhorst und Dr. Lars DethlefsVersicherungswirtschaft

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Praktisch alle Versicherungsunternehmen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ihre zum Teil komplexen Organisations- und Führungsstrukturen deutlich verändert – unabhängig von ihrer Größe und Rechtsform. Die Anlässe für diese Veränderungen waren vielfältig: Kosten- und Wettbewerbsdruck, regulatorische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Produkt- und Technologiewelt sowie differenziertere Kundenerwartungen. Diese Modernisierung führte jedoch nicht zu einem branchenweit homogenen Bild. Wir sehen heute funktional ausgerichtete Strukturen, die sich an den im angloamerikanischen Raum üblichen „C-Modellen“, mit CEO, COO, CIO etc. orientieren, genauso wie klassische Spartenstrukturen. Die Kernfrage ist nicht, ob diese Strukturen heute den Erfordernissen entsprechen, sondern ob sie den Herausforderungen von morgen genügen und ob das Management umfassend dafür sensibilisiert und organisiert ist – Big Data, Industrie 4.0 sowie Demografie und Diversität sind hier die Schlagworte.
Die zukünftige Entwicklung in der Versicherungsbranche wird maßgeblich durch diese herausfordernden Rahmenbedingungen getrieben. Innovative Geschäfts- und Produktmodelle drängen erfolgreich auf den Markt und treiben die Veränderungsgeschwindigkeit mit immer kürzeren Innovationszyklen weiter an. Um in diesem dynamischeren Umfeld zu bestehen, ist mehr als eine Digitalisierungsstrategie erforderlich. Die zentralen Erfolgsfaktoren für eine nachhaltig erfolgreiche Transformation sind eine flexible Aufbauorganisation, ein veränderungsbereites Management, eine offene Unternehmenskultur sowie eine Grund-Agilität des Unternehmens.
Agile Unternehmen zeichnen sich insbesondere durch Spirit & Technologie, Veränderung & Innovation, Speed & Radikalität sowie Teamfokus & Vernetzung aus. Entscheidungsprozesse beispielsweise müssen schneller ablaufen und direkt von den verantwortlichen Produkt- oder Service-Teams getroffen werden – ohne den üblichen „Weg durch die Instanzen“. Dafür eignen sich flexiblere Strukturen, in denen die Arbeit mehr in temporären und interdisziplinären Netzwerken stattfindet als in den üblichen starren Abteilungs- und Bereichshierarchien. Wenn ein Unternehmen seine Agilität und damit seine Zukunftsfähigkeit steigern will, muss es seine Führungsstrukturen und sein Führungspersonal zwangsläufig neu ausrichten. Neben der Aufbau- und Ablauforganisation ist der wesentliche Hebel das Management, das sicher noch mehr Spirit erzeugen, Veränderung begleiten…