Erschienen in Ausgabe 2-2016Köpfe & Positionen

Nicht machtlos gegen Naturgewalten.

Zu Unternehmen & Märkte: „Zunehmend verhagelt“,

Von Michael SzönyiVersicherungswirtschaft

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Extremereignisse wie Stürme und Überschwemmungen sind Launen der Natur und werden immer wieder auftreten. Was wir jedoch tun können, sind die von Menschenhand verursachten katastrophalen Konsequenzen daraus zu vermeiden. Einen Schub dürfte das Jahr 2015 geben: Mit der dritten Weltkonferenz zur Katastrophenvorsorge in Sendai, der Ausweisung der UN-Nachhaltigkeitsziele und dem Klimaabkommen in Paris wurde der Grundstein gelegt, wesentliche Akzente für eine bessere Zukunft zu setzen. Doch bis die Beschlüsse greifen und wir CO2-neutral leben, stellen sich uns neben dem Klimaschutz noch vielerlei Herausforderungen. Zum Beispiel die Anpassung an die Folgen des verstärkten Klimawandels. Das heißt, wir müssen es schaffen, Katastrophen nicht nur im Nachgang zu managen, sondern deren ursächliche Risiken.
Zwar ist das Konzept von integriertem Risikomanagement schon lange bekannt. Oft wird es operationell aber nicht umgesetzt. Wir unterstützen unsere Kunden, Risiken richtig zu verstehen und sich vor ihnen zu schützen. So werden viele Schäden schon vor dem Ereignis verhindert. Im Bereich Hochwasser beispielsweise zeigen verschiedene Kosten-Nutzen-Analysen, dass jeder in Prävention investierte Euro im Schnitt Schäden zwischen fünf und zehn Euro verhindern kann. Dennoch wird weltweit weniger als ein Hundertstel der Summe, die in den Wiederaufbau investiert wird, in Prävention gesteckt.
In der EU belaufen sich die verursachten Schäden allein durch Hochwasser im Mittel auf 4,3 Mrd. Euro pro Jahr. Bis 2050 dürfte es laut Studien das Fünffache sein, also über 23 Mrd. Euro. Denn Schäden aus Ereignissen, die momentan im Durchschnitt alle 50 bis 100 Jahre zu erwarten sind, könnten in Zukunft schon alle 10 bis 20 Jahre auftreten. Daran ist jedoch nicht alleine das Klima schuld – vielmehr die Bevölkerungszunahme, eine verstärkte Bautätigkeit, steigende Sachwerte bei Gebäuden sowie eine erhöhte Verletzlichkeit unserer Infrastruktur.
Notfallhilfe und Wiederaufbau nach Katastrophen spielen eine wichtige Rolle, keine Frage. Hingegen kommen Prävention und Stärkung der Resilienz nach wie vor zu kurz. Wir sind den Naturgewalten nicht machtlos ausgeliefert, sondern können uns erfolgreich und sinnvoll vor ihnen schützen. Vorbeugen ist nachweislich sinnvoller als Nachsehen. Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln. Denn nur wenn alle Akteure ihren Teil beitragen, um die Prävention zu verbessern, lassen sich der Klimawandel und seine vielseitigen Folgen meistern.