Erschienen in Ausgabe 2-2016Märkte & Vertrieb

Viel Rauch, wenig Versicherung

Ob Brandanschläge oder falsche Nutzung: Flüchtlingsheime erhöhen Brandrisiken, die Versicherer nicht mehr tragen wollen

Von Elmar SittnerVersicherungswirtschaft

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Bei Kommunen und Landkreisen schrillen seit Monaten die Alarmglocken. Die für den Versicherungsschutz verantwortlichen Abteilungen lamentieren, dass Versicherer, die den kommunalen Gebäudebestand abdecken, zunehmend sich weigern, diesen Schutz auch für Flüchtlingsheime anzubieten oder für diesen unerfüllbare Bedingungen diktieren. Was sind die Gründe hierfür?
An sich sind Policen für Unterkünfte und Heime (z.B. Obdachlosenunterkünfte oder Umsiedlerheime) genauso wie der Versicherungsschutz für Kommunen und andere Gebietskörperschaften für die Branche nichts Neues. Dies gehört bei der Versicherung kommunalen Eigentums dazu.
Die Situation hat sich erst in der letzten Zeit nachhaltig zum Negativen verändert. Dabei ist für Versicherer nicht ausschlaggebend, dass die Nutzung der Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünfte durch Zuwanderer höheren Gefahren ausgesetzt ist. Dies ist in Wirklichkeit gar nicht so gravierend. Für die Zeichnungsentscheidung ist vielmehr die Gefährdung durch Anschläge und vorsätzliche Brandstiftungen Dritter entscheidend.
Fast 1.000 Strafdelikte gegen Flüchtlingsunterkünfte zählte das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr (siehe S. 38). Vor allem Brandanschläge sind ein gefährliches Massenphänomen geworden. Obschon man das Gefühl hat, dass die Neigung zu solchen Anschlägen im Osten der Bundesrepublik besonders ausgeprägt ist, lässt sich anhand einer Unterteilung der Straftaten nach Bundesländern feststellen, dass in ganz Deutschland derartige Anschläge verübt wurden. Teilweise wurde dabei erheblicher Sachschaden verursacht.
Aber auch die Art der Nutzung und die daraus resultierende höhere Gefahr von Feuern und anderen Schäden bewegt die Versicherungswirtschaft zu erheblicher Vorsicht. Dies schlägt sich einerseits in dem Zeichnungsverhalten zur Feuerversicherung, andererseits aber auch in den Prämiensätzen z.B. zur Leitungswasser- und zur Sturm-/Hagelver­sicherung nieder. Auf den ersten Blick mag es nicht plausibel sein, warum eine Flüchtlingsunterkunft oder ein Asylbewerberheim höheren Leitungswasserrisiken ausgesetzt ist als ein anderes genutztes Gebäude. Eine missbräuchliche Nutzung mit der Folge möglicher Verstopfungen von Rohrleitungen wird dabei als Hauptargument angeführt.
Auch in der Sturmversicherung sind die Prämiensätze deutlich höher. Das liegt daran, dass Asylbewerberunterkünfte häufig von der Instandhaltung vernachlässigte und daher in einem schlechten Zustand befindliche Gebäude sind, die oftmals schon zum Abbruch bestimmt…