Erschienen in Ausgabe 2-2016Trends & Innovationen

Asiatischer Schnupfen

Steuern wir auf die nächste Finanzkrise zu?

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Ökonomen haben es sich angewöhnt, in Szenarien zu denken. Eines dieser Szenarien beschreibt der Internationale Währungsfonds in einer Studie vom Oktober letzten Jahres so: Die Risikobereitschaft der Kapitalanleger sinkt abrupt, die Liquidität auf den entwickelten Finanzmärkten geht zurück, Japan, Großbritannien und die USA erhöhen die Leitzinsen um 50 Basispunkte. Das Gespenst des „Finanzstress“ kehrt zurück nach Europa und macht, ausgehend von Griechenland, wieder die Runde. Die Zinsschere in den verschiedenen europäischen Staaten öffnet sich wieder, die Aktien­märkte brechen um 20 Prozent ein. Beim IWF hält man ein solches Szenario für plausibel und zerstörerisch, aber nicht für extrem. „Es ist im Großen und Ganzen konsistent mit der etwa 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass die Normalisierung in den USA fehlschlägt“, heißt es in der Studie („Global Financial Stability Report“).

Zinszusatzreserve nagt an der Substanz der Lebensversicherer

Die Nervosität ist groß an den Finanzmärkten, zumindest die gefühlte. „Das könnte den Anfang einer neuen Finanzkrise markieren“, sagte George Soros am 6. Januar. „Wenn ich mir die Finanzmärkte ansehe, stehen wir vor einer ernsten Herausforderung, die mich an die Krise von 2008 erinnert.“ Der 85-jährige Multimilliardär verdankt seinen Reichtum seinen Spekulationen gegen das britische Pfund im September 1992. Im April 2008 warnte Soros in Brüssel vor der „schwersten Finanzkrise seit den Dreißigerjahren“. Er habe schon viele Krisen und Spekulationsblasen gesehen, doch jetzt habe man es mit einer „Superblase“ zu tun, die am Platzen sei, berichtete damals der Schweizer Tagesanzeiger. Bewahrheitet sich Soros Prophezeiung auch diesmal, steht den deutschen Lebensversicherern wohl das verschärfte Szenario des Finanzstabilitätsberichts der Bundesbank bevor.
Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen würde dann von 3,7 mittelfristig auf weniger als ein Prozent sinken. Der durchschnittliche Höchstrechnungszins der Altpolicen bleibt aber bei 2,5 Prozent und sinkt auch in den nächsten zehn Jahren nur sehr langsam. Bis 2025 würden dann 21 Lebensversicherer einknicken, rechnet die Bundesbank vor. Sie zu retten würde den Steuerzahler 5,5 Mrd. Euro kosten. Für den Staat wären das Peanuts, doch das macht dieses Szenario trotzdem nicht schöner. Bafin-Chef Felix Hufeld fordert deshalb die Lebensversicherer auf, alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass es nicht so weit kommt. Im Instrumentenkoffer der Lebensversicherer sollte sich Folgendes…