Erschienen in Ausgabe 2-2016Märkte & Vertrieb

Wenn es brennt, dann richtig

Durch vernetzte Lieferketten ausgelöste Betriebsausfälle setzen dem ohnehin chronisch verlustreichen Feuergeschäft zu

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Die Katastrophenbilanz von Munich Re, Swiss Re und Aon Benfield fällt eindeutig aus: Ein deutlich unterdurchschnittliches Schadenjahr liegt hinter uns, eines mit den geringsten Schäden seit 2009. Trotz der Explosion im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin lagen 2015 die Katastrophenschäden unter den einkalkulierten Budgets.
Ganz anders sieht es dagegen bei den Aufwendungen der Feuersparte aus, die bei den meisten Industrieversicherern seit Jahren technische Verluste ausweist. „Feuer-Industrie wird wieder blutrot aus dem Jahr gehen“, sagte Michael Pickel, Vorstand der E+S Rück, auf dem Reinsurance-Treffen in Baden-Baden. Die Hannover-Rück-Tochter stellt einen klaren Trend fest: Seit 2010 hat sich die Anzahl und der Schadenaufwand durch Feuer-Großschäden deutlich erhöht. Auch das Jahr 2015 ist laut Pickel durch einen der größten Schäden in der deutschen Feuerversicherungshistorie sowie eine ungewöhnlich hohe Frequenz an sonstigen Großschäden gekennzeichnet. „Während im Jahr 2014 die kombinierte Schaden/Kostenquote bereits deutlich über 100 Prozent lag, hat nach zehn Monaten des Jahres 2015 der Schadenaufwand um elf Prozent zugenommen“, erklärt Pickel.

Schadenhöhe übersteigt Beiträge

Die Versicherungsmakler Marsh und Aon teilen diese Auffassung nur bedingt, sie sprechen von gesunken Stückzahlen, räumen allerdings ein, dass die Schadenhöhe im Durchschnitt tatsächlich steigt. „Per September 2015 resultierte ein Schadenaufwand von annährend einer Mrd. Euro allein aus Schäden oberhalb von zehn Mio. Euro,“ rechnet E+S Rück vor. Maßgeblich dazu beigetragen hat im Februar vergangenen Jahres der Großbrand der Geflügelschlachterei in Bogen, der Donautal Geflügelspezialitäten, die zum Wiesenhof-Konzern gehört. Der Schaden wird auf 100 Mio. Euro geschätzt. Die Brandursache ist nach wie vor ungeklärt, Wiesenhof wurde sogar Versicherungsbetrug bei der Auftragsvergabe im Rahmen der Schadensabwicklung vorgeworfen. Mehr als zwei Drittel aller bayerischen Masthähnchen stammen aus dem Wiesenhof-Betrieb. 240 Mitarbeitern wurde nach dem Brand gekündigt, der Wiedereröffnungstermin ist für den Herbst 2016 geplant.
Die Bilanz eines Großfeuers bei der Konditorei Pfalzgraf fällt ähnlich aus. 40 Mio. Euro Gesamtschaden verursachte die gerade mal eine Woche alte Produktionshalle und der nagelneue 38 Meter lange Ofen, 90 Mitarbeiter mussten gehen. Deren führender Versicherer, die Gothaer, konstatiert: Die Beitragseinnahmen für die 2015 marktweit prognostizierte Schaden-Kosten-Quote von…