Erschienen in Ausgabe 2-2016Märkte & Vertrieb

Durchlauferhitzer in Höhenluft

Von Heinz-Klaus MertesVersicherungswirtschaft

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Durchlauferhitzer in Höhenluft

Das World Economic Forum in Davos hat einen bedeutenden Namen und versammelt solche Prominenz aus den Führungs-und Machteliten der Welt. Staats- und Regierungschefs, Konzernlenker und Nobelpreisträger oder ganz normale Milliardäre sowie viele alternative Denker mit dem attraktiven Charme der disruptiven Neuerer scharen sich seit 1971 alljährlich im Januar/Februar zusammen, um aus 1.600 Meter Höhe Impulse auszustrahlen für eine besser gemanagte Welt.
Entsprechend geht es zu in dem Graubündener Ort mit den hochragenden, nicht einmal besonders einladenden Hotelfassaden. Dahinter spielt sich ein gemischt politisches-kommerzielles Business auf Zuruf ab, Kopf an Kopf. Legendär die Speed-Datings in den umgebenden Hotels und in anderen Locations, in denen bei exorbitant teuren Entrées im Halbstundentakt Kontakte, Geschäfte und Karrieren geknüpft werden. Inzwischen treibt das Geschäft mit den Reichen und Mächtigen dieser Welt exzessive Blüten. Microsoft schuf sich im Hilton direkt gegenüber dem Kongresszentrum einen Standortvorteil für seinen Business-Meeting-Marathon – zu einem selbst für WEF-Insider schockierenden Preis. Wie der ortskundige Schweizer Tagesanzeiger erfahren haben will, zahlte der amerikanische Software-Gigant eine halbe Million Franken, um dort vier Tage präsent zu sein. Derselbe Raum war vor drei Jahren noch für 25.000 Schweizer Franken zu haben. Die Präsenz im Getriebe der Welt-Dirigenten muss sich bei solchem finanziellen Aufwand also wohl lohnen.
Hinsichtlich des intellektuellen Ertrags für eine weniger krisenhafte, nachhaltigere, also bessere Welt mischen sich in die Resonanz des WEF 2016 doch auch Zweifel. Die virulenten Risikoexplosionen um Migration und Terrorismus mündeten schnell in der Sorge der Spitzenpolitiker und Manager-Elite um den Zusammenhalt Europas – eine von anderen Gipfeln bekannte Diskussionsagenda. Vielleicht für Bundeskanzlerin Angela Merkel, im Vorjahr noch Hauptrednerin inmitten der Euro-Krise, das Motiv für ihre diesjährige Nicht-Teilnahme. Auch die traditionell großen Soirées mit illustrer Show- und Damenwelt sind auf dem Rückzug. So strahlte Davos 2016 aus, was es im Prinzip gerne tut: Die Lage war noch nie so ernst.hkm