Erschienen in Ausgabe 2-2016Unternehmen & Management

Smart Insurance mit Luft nach oben

Versicherungslösungen für die Industrie 4.0 sind nicht ausgereift – dazu tragen rechtliche Unsicherheiten erheblich bei

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Als ein „Mix aus Markt-Update und Networking“ bewerteten die rund 300 Teilnehmer aus Versicherungs-, Makler- und Dienstleistungsunternehmen sowie Anwaltskanzleien die Euroforum-Jahrestagung Haftpflicht. In Hamburg stimmten sie sich auf neue Technologien und Risiken ein. Dazu zählen vor allem die Cyberversicherung oder die Deckung von Lieferketten in einer digital gesteuerten Industrie 4.0. Erst- und Rückversicherer ließen erkennen, dass der Wunsch nach völlig neuen Konzepten und höheren Deckungssummen angekommen ist. Die von vielen Fachleuten als „4. Industrielle Revolution“ ausgerufene digitale Welt in Wirtschaft, Beruf und Alltag stellt aber auch die Versicherungsbranche vor Herausforderungen, die in ihrer Dimension noch gar nicht vollständig erfasst sind.
Carsten Krieglstein ist überzeugt, dass sich die Branche sehr schnell und frühzeitig genug auf die Bedürfnisse der Industrie eingestellt habe. Für den Regional Head Liability Central & Eastern Europe der Allianz Global Corporate & Specialty sei es immer noch die primäre Aufgabe, die Existenz von Risiken zu sichern. „Wir haben auch keine Angst vor Google, wenn die in das Versicherungsgeschäft einsteigen wollen“, betonte er, „und werden auch weiterhin durch unser Know-how überzeugen, weil wir als Fachleute Wege und Prozesse kennen.“ Da sich sein Unternehmen als strategischer Partner verstehe, würde man nicht mehr nur einzelne Risiken, sondern Prozesse versichern.
Kritische Anmerkungen kamen jedoch von Dagmar Wittnebel, General Managerin der Airbus Group. Milliarden-Beträge werden in neue Technologien fließen, doch Versicherer seien keineswegs vollständig auf die qualifizierten Anforderungen der modernen Industrie vorbereitet. 2016 bewertete die Expertin „als das entscheidende Jahr für die Zusammenarbeit der Industriekunden mit der Assekuranz.“
Bis 2020 werde es Schätzungen zufolge zwischen 20 und 30 Billionen miteinander verbundene Geräte geben. Die Vernetzung verwandelt bisherige Alltagsgegenstände in leistungsfähige datensammelnde Geräte, die mit dem Zusatz „smart“ geschmückt werden. Hingegen sei der Begriff „Smart Insurance“ oder „Versicherung 4.0“ zwar gefallen, habe bisher aber kaum Verbreitung gefunden, konstatiert Lutz Torbohm, Teamleader Major Accounts Casualty bei AIG Europe. „Dies überrascht, da für die Versicherungswirtschaft insgesamt die Chancen aus der Nutzung von ‚Big Data‘ für die Steuerung und das Management des eigenen Geschäftes hohe Relevanz hat“, erklärt Torbohm. Mit der…