Erschienen in Ausgabe 2-2016Unternehmen & Management

Die Welt am Limit – Weltfinanzkrise und Nachhaltigkeit

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

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Betrachten wir einmal die zeithistorische Entwicklung eines fiktiven Unternehmens mit der Chiffre „GAIA“: Als Ausgangspunkt soll das Jahr 1960 gewählt werden. Seit diesem Zeitpunkt wächst der Umsatz von GAIA bei weitem langsamer als seine Fremdkapitalaufnahme. Das Umsatzwachstum resultiert dabei aus Produktivitätsfortschritten und teilweise auch daraus, dass die Ressourceneffizienz verbessert wird. Es müssen zwar mehr Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe zur Produktion des Gesamtumsatzes aufgewendet werden, aber für jedes einzelne Produkt an sich betrachtet, ist der Ressourcenaufwand von Jahr zu Jahr geringer. Trotz der verbesserten Ressourceneffizienz ist die Erreichung des Umsatzwachstums immer schwieriger, da die Lieferfähigkeit von Rohstoffen begrenzt ist. Bedingt durch das Produktivitätswachstum kann zwar das produktive Kapital weitgehend auf einem konstanten Niveau gehalten werden, muss aber zur Realisierung der Produktivitätseffizienz in immer kürzeren Zeiträumen abgeschrieben und reinvestiert werden. Um dieses Re-Investment zu gewährleisten, die Ansprüche an die Unternehmenseigentümer zu befriedigen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu entlohnen, übersteigt der Aufwand des Unternehmens zusammen mit den ausgeschütteten Dividenden Jahr für Jahr den Umsatzertrag. Diese strukturelle Lücke des Unternehmens wird über die Aufnahme von Fremdkapital finanziert.

Wertschöpfungsfähigkeit und Verschuldung außer Balance

Im Jahr 2016 ist die Situation des Unternehmens GAIA geprägt durch fast sechs Jahrzehnte, in denen das Wachstum der Fremdkapitalaufnahme höher ist als das Umsatzwachstum. Schier desaströs: Das Volumen des Fremdkapitals übersteigt den Jahresumsatz um das Siebenfache. Wie lange werden wohl Investoren bereit sein, diesem fiktiven Unternehmen GAIA noch die gewährten Kredite zu verlängern oder das Kreditvolumen sogar noch auszuweiten? Werden sich genügend Investoren finden, diesem Unternehmen noch weiteres haftendes Eigenkapital zur Verfügung zu stellen? Wohl kaum. GAIA ist nicht zukunftsfest, sondern konkursreif.
Das fiktive Fallbeispiel GAIA kann als Metapher stehen für die ökonomische und ökologische Situation der Menschheit und des Planeten Erde. Global betrachtet wächst seit über 50 Jahren die Wertschöpfungsfähigkeit und das dafür notwendige produktive Kapital langsamer als die Verschuldung in der globalen Ökonomie. Gewährte Kredite, das sind Versprechen auf zukünftige Wertschöpfung durch den Kreditnehmer. Und das global konsolidiert betrachtete…