Erschienen in Ausgabe 2-2016Köpfe & Positionen

Medien-Querschnitt

Von Heinz Klaus MertesVersicherungswirtschaft

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Kettenreaktion. Für die Versicherer ein Medientag wie jeder andere, Schlagzeilen amDienstag, 19. Januar 2016. Süddeutsche Zeitung: „Transparenz bitte! Die Branche legt Zahlen vor, die nicht zu überprüfen sind.“ Der Tagesspiegel: „Bittere Enttäuschung für Versicherte: Zwischen der Leistung, die der Versicherer bei Vertragsabschluss in Aussicht stellt, und der tatsächlichen klaffen oft erhebliche Lücken.“ Die Zeit: „Zu viel versprochen: Kunden sind überrascht, wie wenig Leistung sie aus der Versicherung erhalten.“
Das tagesaktuelle Trommelfeuer, das sich auch in die regionalen Blätter verbreitete, basierte auf einer einzige Quelle. Die Stiftung Finanztest hatte „krasse Fälle“ des Auseinanderdriftens von Kundenerwartungen und Versicherungsleistung veröffentlicht. Gutes Futter für den dpa-Basisdienst wie weitere Nachrichtenagenturen, die für Verbreitung in die letzten Winkel von Stadt und Land sorgen. Eine symptomatische, mediale Kettenreaktion, die Versicherer sicher nicht als Wertschöpfungsbeitrag zu einer angemessenen Bewusstseins- und Imagebildung betrachten dürften. Zwar stellte der GDV sich tapfer mit einer aufklärend differenzierenden Pressemitteilung der monochromen Welle entgegen; doch – frei nach Tucholsky: „Gegen den Ozean pfeift man nicht an.“
Andererseits: Mit einem Achselzucken kann die Branche nicht über solche Phänomene hinwegsehen. Die Devise: Morgen läuft eine andere S... durchs Dorf“ stimmt nicht mehr. Das Internet-Gedächtnis der Redaktionen vergisst nichts, woraus eine permanente, sich im Online-Archiv summierende Profilbelastung resultiert. Nimmt es da Wunder, dass Versicherungskunden glauben, sich revanchieren zu müssen? Zum Beispiel durch Betrug und Schummelei?
Revanche. „Ja, wozu hat man denn eine Police?“, lautet die plakative Überschrift in der Februar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Capital. Worum es geht ist ein altbekanntes Thema: Versicherungsbetrug, und zwar massenhaft. Die Deutschen betrügen ihre Versicherungen jährlich fast um vier Milliarden Euro. Was weithin als Bagatelle ohne Unrechtsbewusstsein geschieht, stellt die Geschäftsfelder ganzer Zweige in Frage. Zwar geht es in der Regel nicht um so große Summen, was aber bei 24 Millionen Versicherungsfällen sich erheblich summiert. Doch der eigentliche Skandal liegt in dem ethischen Defizit inmitten der bürgerlichen Gesellschaft; denn die Tugend der Ehrlichkeit ist ja nicht an die Höhe einer Schwindelei gebunden. Dass die sonst so gern moralisierende Zivilgesellschaft in…