Erschienen in Ausgabe 2-2016Köpfe & Positionen

Veränderungen taxieren und führen.

Zu Titelreport: „Führungskultur im Wandel“, –14

Von Dietmar AustrupVersicherungswirtschaft

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Die Versicherungsbranche steht – seit jeher mit guten Margen und einer traditionell hohen Stabilität ihrer Geschäftsmodelle ausgestattet – vor diversen Herausforderungen: Niedrigzinspolitik, sich stark verändernde Kundenerwartungen und -wünsche sowie neues Geschäftspotenzial durch Big Data und Digitalisierung, um nur einige Schlagworte zu nennen. Anders als manche medialen Beiträge vermuten lassen, sind Versicherer bereits auf vielen Feldern unterwegs, um sich diesen Herausforderungen zu stellen. Auch angesichts der Beobachtung, dass neue Akteure auf den Markt drängen und etablierte Player herausfordern, stellt sich die Frage, wie man diese Herausforderungen meistern kann.
Nicht jede Veränderung bedeutet indes eine Transformation. Volatile Zeiten verführen dazu, den Schlüssel zum Erfolg allzu schnell in einer Kompletterneuerung zu vermuten. Doch es gilt, genauer hinzuschauen. Es gibt Veränderungen bzw. Marktsituationen, in denen laufende Optimierungen ausreichend sind, um in Zeiten des Wandels nicht nur Schritt zu halten, sondern wieder schnell den Ton anzugeben. Die Mittel des klassischen Change Managements bieten – beispielsweise im Rahmen einer Prozess- und Kostenoptimierung – gute Möglichkeiten, um Veränderungen erfolgreich umzusetzen. Dafür braucht es einen abgestimmten Vierklang aus Führungspersonen, Teams, Unternehmenskultur sowie Organisationsstrukturen: Die Unternehmensspitze setzt Impulse für den Wandel, die Teams tragen diese Impulse in die Breite unter der bewussten Einbeziehung von Kultur und Organisation.
Bei einer tiefgreifenden Erneuerung von Geschäftsmodellen braucht es indes „Transformational Leadership.“ Diese ist häufiger denn je gefragt, weil die meisten etablierten Versicherer vor einer Erneuerung oder sogar einer kompletten Neuerfindung (von Teilen) ihrer Geschäftsmodelle stehen. Damit gehen für die Unternehmensführung anspruchsvollere Herausforderungen einher, die sich mit klassischem Change Management nicht bewältigen lassen. Nicht von ungefähr scheitern diese Veränderungen weniger an gutem Willen oder strategisch nachvollziehbaren Lösungsansätzen, sondern an versteckten Widerständen und inneren (zum Teil unbewussten) Barrieren der Menschen. Die auf Verlässlichkeit und Berechenbarkeit ausgerichtete Versicherungsbranche verfügt über Manager, für die diese Form der Herausforderungen häufig neu ist und die nun scheinbar über Nacht einem neuen Anforderungsprofil genügen und eine neue Form von Agilität an den Tag legen sollen.
Ist das…