Erschienen in Ausgabe 2-2016Unternehmen & Management

Grüne Botschaften

Agrarwirtschaft zwischen Risiko und Change Management

Von Elke Pohl und Julia KolhagenVersicherungswirtschaft

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Bauern sind heute IT-Experten, Landschaftspfleger, Natur- und Tierschützer, Ernährungsexperten und Unternehmer in einer Person.“ Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) unterstrich bei der Eröffnung der 81. Internationalen Grünen Woche in Berlin den rasanten Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die ländliche Idylle des Kleinbauernhofs, wie sie in der Vorstellung weiter Teile der Gesellschaft noch vorherrscht, hat sich längst in einen hoch technologisierten Agrarbetrieb gewandelt. Moderne Anbau- und Zuchtmethoden erlaubten in den vergangenen 20 Jahren eine enorme Produktivitätssteigerung von 72 Prozent.
Zugleich steckt die konventionelle Landwirtschaft mit ihrer extensiven Nutztierhaltung und Intensivlandwirtschaft in einer (Image-)Krise. Regional, biologisch, nachhaltig ist heute der Anspruch der Verbraucher an die Landwirtschaft. Ein Trend, der sich auch in den Präsentationen und Ausstellerlisten der diesjährigen Messe widerspiegelte: Allenthalben konnten Besucher die Themen Bio, Öko, Nachhaltigkeit und Tierwohl finden. Nachhaltigkeit endet dabei nicht im Stall oder auf dem Feld, sondern erstreckt sich auf diverse Branchen und Produkte. So konnten die rund 400.000 Messebesucher ein „Nachwachsendes Büro“ bestaunen. Nicht nur Möbel, Böden und Wände von Büros können schon heute ohne Kunststoffe auskommen, auch bei Taschenrechnern, Computertastaturen und sogar Monitoren gibt es bereits Hersteller, die weitgehend nachwachsende oder umweltverträgliche Materialien verwenden.

Mehr Privat Public Partnership zur Risikominimierung

„Politik aber auch Wirtschaft und Handel stellen im Namen der Verbraucher hohe Anforderungen an Qualität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz“, konstatierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Er fordert aber auch, die Kosten für eine solche artgerechte Landwirtschaft nicht nur den Bauern aufzubürden. Hier seien alle Glieder der Lieferkette – vom Bauernhof bis zur Ladentheke – gefordert, diesen Wandel mitzufinanzieren: „Gelingt das nicht, laufen gesellschaftliche Anforderungen ins Leere, denn die Umsetzung muss sich wirtschaftlich darstellen lassen.“
Wirtschaftliche Sicherheit ist im Agrarsektor erheblich von äußeren Faktoren abhängig. Zu Wetterrisiken, Schädlingsbefall und Tierseuchen kommen Klimawandel, zunehmende Preisvolatilität und steigende Haftpflichtrisiken bei Umwelt- und Nahrungsmittelsicherheit. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit seiner veränderten Risikolandschaft führt auch…