Erschienen in Ausgabe 2-2016Märkte & Vertrieb

Wachstumssorgen eines Kundenmagneten

Ping An prophezeit den Tod der Online-Insurance, es lebe der virtuelle Gesundheits- und Allfinanzkümmerer

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Ping An 3.0“ lautet das Schlagwort für die Zukunft des größten privaten Versicherers in China. Das verkündete Konzernchef Ma Mingzhe in seiner Neujahresrede. Damit verfolgt Ping An Insurance die Integration aller in der 2.0-Phase erstellten Online-Dienste zu einer Art „Finanz-Lebensraum“, um Kunden näher an das Unternehmen zu binden. Dazu zählt beispielsweise der Service „Krankenversicherung durchgehend“, der Krankenhäuser in mehr als 100 chinesischen Städten vernetzt, um eine Art Online-Krankenakte von Patienten zu erstellen und ihnen die Prüfung der Erstattungsfähigkeit der Behandlungskosten zu erleichtern. Der Dienst „Good Doctor“ berät Kunden bei der Auswahl eines geeigneten Arztes und „Akten durchgehend“ ermöglicht Versicherungskunden, alle ihre Konten nicht nur bei Ping An, sondern auch bei anderen Finanzinstituten in einem einzigen Online-Ordner zu führen. Bereits 200 Millionen Chinesen machen von diesem Dienst Gebrauch.
Im Zeitalter „Ping An 3.0“ werden nun alle diese Plattformen als Bauteile in einer virtuellen „Financial-Life-Sphere“ zusammengefasst. Für den Versicherer aus Shenzhen ist diese Kundenbeziehungspflege der einzige Weg für weiteres Wachstum. Wenn man heutzutage ausschließlich auf das Versicherungsgeschäft setzt, führt das in die Sackgasse, rechtfertigt Konzernchef Ma seine neue Stategieausrichtung. Damit versucht er dem chinesischen Dienst „Weixin“, im Ausland als WeChat bekannt, nachzufeiern. Dieser weist 650 Millionen Nutzer auf, die mit der App shoppen, kommunizieren und ihren Alltag organisieren.

Mit geballter Finanzkraft auf Einkauftstour im Westen

Bislang sind chinesische Versicherer, die im Ausland investieren, allesamt Einzelkämpfer. Obwohl sie es sichtlich genießen, die Öffentlichkeit durch Aufkäufe von westlichen Unternehmen und namhaften Immobiliengebäuden zu beeindrucken, erkennen sie inzwischen, dass das Auslandsengagement in große Infrastrukturprojekte im Alleingang nicht zu stemmen und zu riskant ist. Das zeigt sich an der Anfang des Jahres neu gegründeten Gesellschaft China Insurance Investment Company (CIIC) in der Shanghaier Freihandelszone. Daran beteiligen sich 24 Versicherer und 15 Maklerunternehmen, zu je höchstens vier Prozent. Das Konsortium legte einen öffentlichen Fonds auf und hat inzwischen 5,6 Mrd. Euro eingesammelt. Laut China Security News plant CIIC, in die Hafenprojekte von Colombo (Sri Lanka), Djibuti und in das türkische Kumport, dem drittgrößten Containerterminal der Türkei, zu investieren. Ebenfalls…