Erschienen in Ausgabe 2-2016Märkte & Vertrieb

Eyes off, Computer on

Versicherungspotenziale in der automobilen Zukunft

Von Ingo BlöinkVersicherungswirtschaft

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Der Kfz-Versicherungsmarkt steht vor einem historischen Umbruch. Der Wandel, der durch den fortschreitenden Paradigmenwechsel auf dem Gebiet der persönlichen Mobilität zu erwarten ist, könnte existenzgefährdend werden. Das von Lukas Neckermann beschriebene Konzept „Triple 000“ bringt die Herausforderungen für die altgedienten Geschäftsmodelle der Versicherer auf den Punkt: Es geht um die Szenarien „null Emission“, „null Unfälle“ und „null Besitz“. Diese Entwicklungen stellen das Geschäft mit Kfz- und automobilnahen Versicherungsprodukten, deren Beitragsvolumen bei weit über 25 Mrd. Euro liegt, auf den Prüfstand.

„Pods“ bringen Passagiere ans Ziel

Die erste Veränderung betrifft die Antriebstechnologie: Plug-in Hybride, die von immer mehr Automobilherstellern angeboten werden, könnten nur eine Zwischenstufe sein. Das Auto der Zukunft soll zu 100 Prozent emissionsfrei sein – dank Elektromotoren mit entsprechenden Batterien oder Brennstoffzellenantrieb. Zwar sind die Fragen der Leistung und Reichweite sowie der nötigen Infrastruktur derzeit noch nicht zufriedenstellend gelöst. Der Trend aber geht ganz klar hin zu emissionsfreien Antrieben. Die Automobilindustrie investiert massiv in saubere Antriebe − die deutsche Bundesregierung hat das Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen im Jahr 2020 ausgegeben und hält an ihm trotz der bislang feststellbaren Kaufzurückhaltung der Kunden unbeirrt fest. Aktuell diskutiert die Regierung im Lenkungskreis Elektromobilität, ob der Kauf von E-Autos mit 5.000 Euro prämiert werden soll.
Während die Veränderungen auf dem Gebiet der Antriebstechnologie noch überschaubare Auswirkungen auf das Geschäftsmodell der Versicherer haben dürfte, wird ein anderer Technologiesprung dort massiv zu Buche schlagen: die Emergenz des autonomen Fahrens. Was in den Achtzigern und Neunzigern noch als Science Fiction galt, ist heutzutage in technologischer Hinsicht weitgehend darstellbar. Ein prominentes Beispiel ist die rund 100 Kilometer lange vollautonome Fahrt der Mercedes-Benz S-Klasse 2013 auf der Route von Bertha Benz zwischen Pforzheim und Mannheim.
Systeme zum teilautonomen Fahren, die heute als Option in einigen Pkw zu finden sind, werden schnell Einzug in die Serienausstattung halten. Mit „Intelligent Drive“ bietet Mercedes-Benz für viele aktuelle Modelle teilautonomes Fahren im öffentlichen Straßenverkehr. Die entscheidenden Schritte der Entwicklung werden perspektivisch von „Hands and Feet off“, dem Loslassen von…