Erschienen in Ausgabe 12-2016Trends & Innovationen

„Staatliche Bürokratie drangsaliert deutsche Unternehmen“

Manfred Güllner, Geschäftsführer des Forsa-Instituts, über politische Blockaden und unternehmerische Perspektiven 2017

Von Versicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Herr Güllner, wie bewerten sie die allgemeine politische Stimmung im Jahresfinish 2016?

Manfred Güllner: Die Stimmung der Bundesbürger ist generell eher gedämpft und durch vielfältige Unsicherheiten geprägt. Dazu hat zuletzt auch der Ausgang der Präsidentenwahl in den USA beigetragen. Trump, den sich nur ganz wenige Deutsche als Obama-Nachfolger gewünscht hatten, löst Befürchtungen aus, dass sich die krisenhaften Entwicklungen in der Welt verschärfen könnten. Auch die Erwartungen an die Entwicklung der ökonomischen Verhältnisse in Deutschland und der eigenen finanziellen Lage – vor allem im Alter – sind wenig optimistisch. Die vom Zuzug von Flüchtlingen ausgelösten Ängste werden in vielen Medien und von bestimmten politischen Gruppierungen hingegen übertrieben dargestellt. Vorhandene Ängste vor einer „Überfremdung“ Deutschlands sind abstrakt und beruhen meist nicht auf konkreten Erfahrungen. Das Vertrauen zur Politik ist nach wie vor nicht allzu groß.

Welche Bilanz ziehen Sie aus diesem Jahr?

Große Erfolge der jetzigen Bundesregierung, die als Koalition der beiden lange Zeit als „groß“ bezeichneten Parteien auch entsprechend große Erwartungen geweckt hatte, sehen die meisten Bürger nicht. Vor allem hat man den Menschen nicht die vorhandenen Ängste und Befürchtungen im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Landes genommen...

...mit der Folge eines erstarkten rechten Flügels?

Alle demokratischen Parteien haben kein Rezept gegen die Gewalttätigkeiten der rechtsradikalen Szene gefunden. Das zeigt sich am widersprüchlichen Verhalten gegenüber der AfD, der neuen Bewegung am äußerst rechten Rand des Parteienspektrums. Von krasser Ausgrenzung bis zur Anbiederung reichen die untauglichen Rezepte, die der AfD Aufwind gegeben haben, statt den Zulauf zu ihr einzudämmen. Politik und auch die Medien haben sich in Deutschland meist zu sehr an lautstark artikulierenden Minoritäten orientiert und die Interessen der großen Mehrheit der „normalen“ Menschen in der Mitte der Gesellschaft außer Acht gelassen.

Was muss im nächsten Jahr besser gemacht werden?

2017 sollte es darauf ankommen, den Menschen wieder mehr Zutrauen und das Gefühl größerer Sicherheit zu geben – in vielfältiger Hinsicht. Dazu gehört die konsequente Bekämpfung der Terrorgefahr und der organisierten Kriminalität, aber auch die Erwartung, dass der Staat die Bürger vor zu negativen Folgen der Globalisierung schützt. Dazu gehört aber auch die Hoffnung, dass Europa vor dem Hintergrund…