Erschienen in Ausgabe 12-2016Schlaglicht

Die Europäische Verwirrung war absehbar

Prognosecheck: Die Versicherungswirtschaft lag mit ihrem Ausblick auf 2016 fast überall richtig

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Die Europäische Verwirrung war absehbar

Prognosecheck: Die Versicherungswirtschaft lag mit ihrem Ausblick auf 2016 fast überall richtig

Dass der Geschäftsmann Donald Trump neuer Präsident der USA wird, hatte die Versicherungswirtschaft nicht vorhergesehen, doch ansonsten lagen wir mit unseren Prognosen für das Jahr 2016 fast überall richtig. „Die Diskussionen über den Brexit werden uns in 2016 ständig begleiten“, schrieb Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran im Dezember letzten Jahres. Gemünzt auf Großbritannien stellte er fest: „Das kommende Jahr hält sicherlich neue Überraschungen bereit.“ Eine davon war die Teilnahme des Polit­clowns Boris Johnson an der Brexit-Kampagne. Dass das Brexit-Votum so schnell kommen würde, hatte Subran allerdings nicht geahnt. Stattdessen rechnete der Ökonom mit einem Zusammenbruch Portugals in mehr oder weniger ähnlicher Form, wie wir das in Griechenland erlebt haben. Dank der trickreichen Anleihekäufe von EZB-Chef Mario Draghi ist es dazu nicht gekommen. „Innerhalb Europas nehmen die Spannungen zu“, schrieb Subran und lag damit goldrichtig. Die Schwellenländer schwächelten, tatsächlich, wie er das vorausgeahnt hatte, in China sank die Zahlungsmoral und es kam zu den ersten wirtschaftlichen Kontakten mit dem Iran. Zur Abspaltung Schottlands von Großbritannien ist es allerdings nicht gekommen, noch nicht. Doch das Brexit-Votum hat die Kluft zwischen dem Norden und Süden der Insel vergrößert. Auch Katalonien hat sich bislang nicht von Spanien losgelöst, allerdings ist die Bewegung weiter virulent. Im September 2016 gingen dort Hunderttausende für die Unabhängigkeit auf die Straße.
IW-Direktor Michael Hüther hatte im Interview mit der Versicherungswirtschaft von einer „Krise der europäischen Staatlichkeit“ gesprochen und gleichzeitig vorhergesagt, dass sich Europa wirtschaftlich behaupten kann. In der Realität schwächte sich das Wirtschaftswachstum Europas in diesem Jahr ab. Die von Hüther für China prognostizierte „Wachstumsbaisse“ ist tatsächlich eingetreten.
„Stabilität vs Wachstum“ schrieben wir vor einem Jahr und man muss rückblickend feststellen, dass der Fokus der Versicherer eindeutig auf Stabilität lag. Bei den Großkonzernen gingen die Umsätze zurück oder stagnierten, die Gewinne bleiben stabil. Von Dynamik ist nichts zu spüren, zumindest in den Zahlen. „Schlanker, effizienter, profitabler“, schreiben wir im Dezember 2015 und genau das war es, um was sich die Versicherer im Jahr 2016 bemühten. Es gibt kaum einen…