Erschienen in Ausgabe 12-2016Trends & Innovationen

Amerika steuert ins Ungewisse

Donald Trumps Präsidentschaftserfolg hinterlässt auf den internationalen Märkten mehr Fragen als Antworten

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Donald Trump, designierter 45. US-Präsident, ist ein Mann voller Kontroversen. Auf der einen Seite verkauft er sich als Erfolgsmanager, auf der anderen steht eine Persönlichkeit mit geerbtem Startkapital, die diverse Insolvenzen hinter sich hat und in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist.
Auch wenn Trump seinen politischen Aufstieg in gewissem Maße auch der ihn als Muster-Unternehmer zeigenden Fernsehserie „The Apprentice“ zu verdanken hat, ist er kaum vergleichbar mit dem von Peter Sellers gespielten simplen Gärtner, der aufgrund einer Fernsehsendung unverhofft zum US-Präsidenten wird. Nicht jeder würde Trump gerne zum heimischen Abendessen einladen. Als Präsident der Vereinigten Staaten hingegen wird er im Laufe der nächsten vier Jahre die politische Ausrichtung der noch dominierenden Weltgroßmacht bestimmen. Zumindest, wenn er nicht einem Impeachment zum Opfer fällt.
Trump verspricht eine Mischung aus wirtschaftsliberaler Ideologie mit niedrigeren Steuern und weniger Regulierung bei gleichzeitger Abschottung, wenn nicht gar Isolationismus gegenüber dem Ausland. In den USA sorgt keine wie ein Fels in der politischen Brandung dastehende Ministerialbürokratie für Kontinuität. Kommt es zu einem Machtwechsel, verlassen Tausende Washington D.C. und werden von ihren Nachfolgern ersetzt.

Personalkarussell dreht sich

Die attraktivsten Botschafterposten könnten an wohlhabende Pensionäre gehen, die die Kampagne des erfolgreichen Kandidaten mit einigen 100.000 US-Dollar unterstützt haben. Letztlich erfolgt eine Machtübernahme durch einen anderen politischen Stamm, heutzutage sogar durch einen verfeindeten. Dies könnte Anfang 2017 besonders ausgeprägt sein, zumal Präsident Trump vorerst über die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus verfügen wird. Zudem muss er einen Nachfolger für den verstorbenen Supreme-Court-Richter Scalia ernennen und so auch die Machtverhältnisse in der Justiz nach eigenen Vorstellungen gestalten. Viele Anhänger der demoktratischen Partei erblicken im gegenwärtigen Geschehen eine nicht ganz sauber gelaufene Machtergreifung.
Bei der Besetzung von Schlüsselpositionen in der neuen Administration sendet Trump widersprüchliche Signale aus: für Strategie wird der der „alt-right“ Bewegung zuzurechnende Publizist Stephen Bannon zuständig sein, Stabschef wird der als wesentlich konzili­anter geltende bisherige Vorsitzende des nationalen Komitees der Republikaner Reince Priebus. Es heißt, der nicht allzu detailversessene Trump werde wohl…