Erschienen in Ausgabe 12-2016Schlaglicht

Spielräume und Schock-Effekte

Investitionshemmnisse in den Industrieländern stehen 2017 einem stärkeren wirtschaftlichen Aufschwung im Weg

Von Gustav A. Horn und Peter HohlfeldVersicherungswirtschaft

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Die Konjunktur in Deutschland befindet sich 2016 im dritten Jahr einer moderaten Expansion. Stärker als frühere Aufschwünge wird diese Aufwärtsentwicklung von der Binnennachfrage getragen, insbesondere vom privaten Konsum. Günstig wirkten sich in diesem Jahr dabei abermals die steigenden Löhne bei stetig zunehmender Beschäftigung und nicht zuletzt der niedrige Ölpreis aus. Die Aussichten für das Jahr 2017 trüben sich allerdings zunehmend ein. Die Weltwirtschaft wird nur verhalten wachsen. Zwar hat sich die Lage in den größeren Schwellenländern stabilisiert, aber die Abflachung des Booms in China dämpft weiterhin den Welthandel und die mittelfristigen Wachstumsaussichten in den Industrie­ländern sind deutlich ungünstiger als in der Vergangenheit. So fällt auch der Aufschwung in den USA nur moderat aus. Daran dürfte der Wahlsieg von Donald Trump nichts ändern.
Trotz einer sehr expansiven Ausrichtung der Geldpolitik aller großen Zentralbanken bleibt die Investitionstätigkeit in den Industrieländern schwach, mit negativen Folgen für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Produktivitätsentwicklung. Die Wirtschaft im Euroraum wird im nächsten Jahr erneut unter ihren Produktionsmöglichkeiten bleiben. Dies gilt umso mehr, weil der Euroraum besonders stark von der Brexit-Entscheidung des Vereinigten Königsreichs betroffen ist. Wegen seiner ökonomischen Bedeutung wirken sich die konjunkturelle Schwäche und die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der EU auch auf die übrige Weltwirtschaft aus und dämpfen diese. Daher ist mit einem Andauern der Investitionsschwäche und der globalen Niedrigzinsphase zu rechnen.
Auch in Deutschland ist es die Investitionszurückhaltung, die einem stärkeren Aufschwung im Wege steht. Der private Konsum, getragen von Zuwächsen bei der Beschäftigung und den Löhnen, leistet den entscheidenden Wachstumsbeitrag. Hingegen ist aufgrund nachlassender Exportdynamik und stärker steigender Importe vom Außenhandel kein positiver Beitrag zu erwarten.
Ein binnenwirtschaftlich getragener Aufschwung indes ist weniger anfällig für außenwirtschaftliche Schocks und schlägt sich zudem stärker in Steuereinnahmen nieder, die dann wiederum für wirtschaftlich und gesellschaftlich wichtige Aufgaben zur Verfügung stehen. Die fiskalischen Spielräume existieren in Deutschland ebenso wie ein dringender Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur, das Bildungssystem und den ökologischen Umbau.
Im Jahr 2017 wird der Aufwärtstrend der Beschäftigung anhalten…