Erschienen in Ausgabe 12-2016Schlaglicht

Träumen von der Trumpflation

Versicherer blicken dank stabiler Beitragseinnahmen und steigender Zinsen hoffnungsvoll ins neue Jahr

Von Dr. Klaus WienerVersicherungswirtschaft

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Das Jahr 2016 war geprägt von Ereignissen, deren Folgen für die Weltwirtschaft noch gar nicht in vollem Umfang abzuschätzen sind. Vor allem die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten („Brexit“), sowie der Wahlausgang in den USA werden die Entwicklungen des Jahres 2017 – und wohl auch darüber hinaus – spürbar beeinflussen. Die deutsche Versicherungswirtschaft belasteten vor allem zahlreiche Naturereignisse und das anhaltende Niedrigzinsumfeld. Dennoch dürfte das Beitragsaufkommen mit knapp 195 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben sein. Neben den weiterhin schwachen Zinserträgen dürfte die etwas niedrigere konjunkturelle Gangart die Spielräume der privaten Haushalte für zusätzliche Ausgaben verringern, insbesondere im Bereich der Altersvorsorge. Zwar wird das Beitragsaufkommen in der Lebensversicherung erneut leicht fallen, im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung ist jedoch mit einer ungebrochen positiven Entwicklung zu rechnen.

Insurtechs als Partner einbinden

Großen Einfluss auf den Versicherungsmarkt wird auch die digitale Transformation ausüben. In Deutschland sind bereits viele Millionen Euro in Start-ups geflossen, zum Teil mit direkter Beteiligung deutscher Versicherer. Im nächsten Jahr wird dieser Trend anhalten. Die Newcomer sind nicht nur Konkurrenten, sondern auch potenzielle Partner zur Erschließung neuer Marktchancen. Davon werden sich durch die Digitalisierung viele ergeben – von Cyberversicherungen bis zum Versicherungsschutz für die Sharing Economy. Es bleibt nur zu hoffen, dass die zunehmend protektionistischen Tendenzen sich nicht verfestigen, auch im Hinblick auf die französische Präsidentschaftswahl 2017.
In den USA wird die große Unsicherheit, die mit dem neuen Präsidenten Trump verbunden ist, die konjunkturelle Grundtendenz verringern. Am gravierendsten wäre es, wenn die neue Administration den protektionistischen Tendenzen nachgeben würde, die im Wahlkampf anklangen. Dies würde das Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft erheblich schmälern – und damit auch die Perspektiven für die Weltwirtschaft eintrüben. Nahezu sicher erscheint im nächsten Jahr ein fiskalischer Impuls (Investitionen in Infrastruktur, Steuersenkungen für Unternehmen und Haushalte). Allerdings wird dieser frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2017 wirken, sodass die US-Wirtschaft im Gesamtjahr kaum stärker wachsen dürfte als in diesem Jahr. Eine der wohl wichtigsten Änderungen dürfte zudem die Geldpolitik der US-Notenbank betreffen. Der…