Erschienen in Ausgabe 12-2016Schlaglicht

Hoher Einsatz für echte Emotionen

Auf der Suche nach Erneuerung besinnen sich die Versicherer im Entscheidungsjahr 2017 auf alte Stärken

Von Versicherungswirtschaft

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Als die Wirtschaftsweisen im November der Bundeskanzlerin ihr neustes Jahresgutachten überreichten, war das Medienecho groß; das ausgestellte Arbeitszeugnis für die gegenwärtige Performance der deutschen Regierung dagegen durchwachsen. Der Tenor: Sachverständige warnen, fordern, rüffeln.
Durch die Berliner Macht- und Schaltzentralen dürfte ein kühler Wind des Erstaunens gezogen sein, zumal sich der Aufschwung in Deutschland nach Angaben des Papiers mit Zuwachsraten des realen Brutto­inlandsprodukts von 1,9 Prozent im Jahr 2016 und 1,3 Prozent im Jahr 2017 faktisch doch eigentlich fortsetzen soll. Das Verdikt der fünf Weisen indes geht weit über bloßes Zahlenwerk hinaus, die Kritik zielt vor allem auf den schwachen Reformeifer der politischen Entscheider. Die Sachverständigen empfehlen weniger Regulierung, mehr Flexibilität und neue wirtschaftliche Impulse im Sinne des Bürgers. Dass sich die Menschen im Entscheidungsjahr 2017 gerade auch nach Stabilität und Kontinuität sehnen, weiß der Bayerische Finanzminister Markus Söder. „Sie brauchen Antworten auf ihre Fragen.“ Genau an dieser Schnittstelle, zwischen Erneuerung, Wachstum und Sicherheit, wollen die Versicherer im kommenden Jahr punkten.

Versicherer drücken auf das digitale Gaspedal

Eine Manager-Umfrage der Versicherungswirtschaft (ab Seite 18) bestätigt, dass neben Kosteneffizienz und Agilität vor allem der Faktor Mensch ins Zentrum rückt. Seine Bedürfnisse sollen sich im wirtschaftlichen wie politischen Gestaltungsprozess stärker wiederfinden – bei digitalen Innovationen, Vertriebs- und Produktstrategien, in der Debatte um die künftige Ausrichtung der Krankversicherung und bei der Ausgestaltung der Rente.
Frank Walthes zum Beispiel will dem Kunden zeitgemäße Produkte sowie Serviceleistungen zur Verfügung stellen und ein moderates, ertragreiches Wachstum erzielen. „Bei den Möglichkeiten der Digitalisierung werden wir unsere Strategie weiterverfolgen und konsequent an den Themen arbeiten, mit denen wir die Kundenbindung stärken und das Kauferlebnis erhöhen“, verspricht der Vorstandschef der Versicherungskammer Bayern.
Fakt ist: Heute holen sich vier von fünf Deutschen Informationen online ein, bevor sie eine Versicherung abschließen. Über die Hälfte kann sich langfristig allerdings nicht vorstellen, eine Police im Internet zu kaufen, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Wir haben es – anders als man gemeinhin vermutet – nicht mit einer aussterbenden Zielgruppe zu tun, die den…