Erschienen in Ausgabe 12-2016Märkte & Vertrieb

Meeting an leeren Tischen

Drittstaatenregelung blockiert Erneuerungsgespräche in der Rückversicherung

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Es ähnelte einem entfernten Donnergrollen, was in diesem Jahr beim Rückversicherungstreffen in Baden-Baden zu spüren war, weit weg davon, Blitzreaktionen hervorzurufen, doch beunruhigend. Die Unruhe kam ausgerechnet von der Bafin. Die deutsche Finanzaufsicht pocht bei der Umsetzung von Solvency II auf eine strenge Einhaltung der Solvenz-Vorschriften beim Einkauf von Rückversicherung: Nur Rückversicherer, die nach Solvency II reguliert sind, akzeptiert die Aufsicht des größten Versicherungsmarkts Europas. Ausnahme sind die Schweiz, die Bermudas und Japan, deren Aufsichten von der EU-Kommission in Brüssel als Äquivalent anerkannt sind.
Solvency II ist de facto der Weltstandard für Versicherungsregulierung geworden. In Brüssel will man mit diesem Pfunde jetzt wuchern und trägt den Standard offensiv in die Weltmärkte: Wer mit europäischen Versicherern Geschäfte macht, muss sich an europäische Standards halten. Dadurch will die Aufsicht verhindern, dass Solvency-II-regulierte Rückversicherer aus Europa gegenüber Konkurrenten aus Ländern mit weniger strengen Vorschriften im Nachteil sind.

Nicht aktiv um Kunden werben

Die Drittstaatenregelung war ein empfindlicher Schuss vor den Bug der vielen Rückversicherer aus Ländern wie China, Indien oder den USA. Eigentlich hatte die Bafin mit der Korrespondenzversicherung ein Türchen offen gelassen („Wenig Spielraum“ in Versicherungswirtschaft 10/2016, S. 30), doch sie wurde im Markt gründlich missverstanden. De facto können Versicherer in Form der Korrespondenzversicherung mit jedem Rückversicherer der Welt Geschäft machen, Voraussetzung: Die Initiative muss von ihm ausgehen (Mehr auf VWheute: „Bafin erläutert Details zu Drittstaaten-Rückversicherern“). Ähnlich wie bei der lange als sittenwidrig verbotenen Kidnapping-Versicherung dürfen Drittstaaten-Rückversicherer nicht aktiv um Geschäft werben. Unter diesen Voraussetzungen dürfen auch Rückversicherungsmakler weiter platzieren, wo und bei wem sie wollen.
Aus Unsicherheit und Furcht vor persönlichen Strafen haben eine ganze Reihe von Rückversicherungseinkäufern auf dem Rückversicherungstreffen in Baden-Baden Termine abgesagt. „Da weiß keiner, wie die Aufsicht da vorgeht“, sagte Christian Theysohn im Gespräch mit der Versicherungswirtschaft. „Da gibt es keine einfache Entscheidung.“ Theysohn managt für die SV Stuttgart den Rückversicherungsschutz. Der stark im Wohngebäudegeschäft tätige Versicherer kauft in der Summe Rückversicherungsschutz für 1,3 Mrd. Euro ein. Es handelt…