Erschienen in Ausgabe 12-2016Märkte & Vertrieb

Die Versorgungswerke werden ungeduldig

Bei einem Ausbleiben der Zinswende könnte die Zahl der Anwartschaften schon bald sinken

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Das System der Altersvorsorge in Deutschland befindet sich im Umbruch. Nicht nur die aktuell niedrigen Zinsen erfordern ein Umdenken. Hinreichend bekannt sind auch die Probleme, die der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem veränderten Altersaufbau der Bevölkerung erwachsen. Wie ein Fels in der Brandung erscheinen da berufsständische Versorgungswerke und betriebliche Versorgungswerke einzelner Branchen, die das Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge in Deutschland stärken und bereichern. Versorgungswerke der Freien Kammerberufe und die Branchen-Versorgungswerke kann man nicht in einen Topf werfen: Während die ersten landesrechtlich organisiert sind, Pflichtversicherungen darstellen und zur Säule I gehören, sind die anderen eher den Säulen II und III zuzuordnen, da sie betriebliche oder private Altersvorsorge anbieten. Beiden gemeinsam ist, dass Niedrigzinsen und Solvency II zwar relevante aber keine existenziellen Themen sind.

Sonderstellung entschärft Druck

Wenn Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater ihren Beruf aufnehmen und in eine berufliche Kammer eintreten, werden sie auch zu Pflichtmitgliedern in ihrem betreffenden Versorgungswerk. Anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung werden dort regelmäßig auch alle selbstständig Tätigen wie niedergelassene Ärzte oder Anwälte in eigener Praxis Pflichtmitglieder. Die Versorgungswerke nehmen also die Aufgaben wahr, die auch das gesetzliche System übernimmt. Sie sichern die Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung ihrer Mitglieder. Doch gibt es wichtige Unterschiede, wie Peter Hartmann, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV), betont. „Die Versorgungswerke sind hybride Modelle, die sich in der Regel aus Kapitalanlage und Umlage speisen“, erklärt er. Das Mischungsverhältnis variiert dabei erheblich. Da sich die Risiken der einzelnen Berufsgruppen zum Teil gravierend unterscheiden – ein Rechtsanwalt kann ohne Hände arbeiten, ein Chirurg nicht – funktionieren alle 89 Versorgungswerke zwar im Prinzip gleich, im Detail jedoch verschieden. So sind etwa viele ältere Werke teilrechtsfähige Sondervermögen der betreffenden Kammern, während die jüngeren häufig eigenständige Körper­schaften öffentlichen Rechts sind, so zum Beispiel Rechtsanwälte. Kontrollorgan ist nicht die Bafin, sondern sind die Versicherungsaufsichtsbehörden der Länder. Zudem übt das für den Berufsstand zuständige…