Erschienen in Ausgabe 12-2016Köpfe & Positionen

Möge der Markt mit euch sein

Versicherer kamen 2016 in den Medien nicht immer gut weg – unterhaltsam war es allemal

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Mittendrin, aber nicht dabei“, lautete eine VWheute-Schlagzeile zur medialen Abwesenheit der Versicherer in zahlreichen Talkdiskursen zum Renten-Mammutprojekt. Treffender kann man auch die Jahresbilanz der traditionell medienscheuen Versicherer nicht formulieren. Ob TTIP, Trump, Beitragserhöhungen oder die Zwangspolice gegen Elementarschäden – bei polarisierenden oder sinnfreien Themen (Pokémon-Versicherung) versteckten sie sich wie so oft hinter ihren Verbänden. Mitunter sind sie nicht immer auf gleicher Wellenlänge, etwa als PKV-Geschäftsführer Tim Genett Generalis Vitality-Programm die rechtliche Grundlage absprach. Neben den Vorwürfen zur Entsolidarisierung des Versichertenkollektivs musste man in Triest vermeintliche Übernahmepläne eines Deutschen aus Paris entkräften. Dabei kam allein schon die Berufung von Thomas Buberl zum Axa-CEO einem Beben gleich, das weit über die Branchenszene zu spüren war. Seine Nachfolge in Person von Digitalisierungsguru Alexander Vollert ist hingegen wenig überraschend. Allianzer sind gefragt: Markus Rieß holte in diesem Jahr gefühlt ein Dutzend von seinem Ex-Arbeitgeber nach Düsseldorf.
Dort wiederum ist aus Reportersicht alles beim Alten: „Ein Ergo-Mann geht auf Lustreise“, kommentierte das Handelsblatt die RTL-Kuppelshow „Der Bachelor“, in der 22 Frauen um einen lispelnden Versicherungsvertreter buhlen. Wem das noch nicht realitiätsgetreu erscheint, durfte sich über den Huk24-Werbespot mit provisionsgierigen Vermittlern auf feucht-fröhlichen Partys oder den Umschnall-Dildo des Seniorenversicherers Ideal besonders amüsiert haben. So sieht es nun mal aus, wenn Versicherer aktiv um Kunden werben. Früher lief so manches Geschäft noch von alleine. Heute scheinen viele Anbieter mit Social Media überfordert zu sein. Nicht so der Branchenprimus: „Ich bin der Bundeskanzler der Allianz“, erklärte Oliver Bäte seine Passion in einem zweistündigen Youtube-Interview. Die Lockerheit nimmt man dem vor Aktionären in roten Sportschuhen turnenden Allianz-Chef nicht ganz ab, dafür wirkte er unfreiwillig komisch: „Die EZB ist das einzige Imperium, das so ein bisschen evil ist.“ Bei so viel Star-Wars-Assoziationen kommt man schon durcheinander. In der Tat verkörpert die EZB den Todesstern, der mit seiner Bazooka-Politik das Versicherergeschäft zerstört und die Bausparkassen dazu zwingt, gut verzinste Altverträge zu kündigen. Wenn nicht die Klassik, dann – so die Vertriebschefs – müssen eben Pay-as-you-Drive-Tarife an den Mann gebracht…